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Der jüdische Student · 1917-06-01 · 16. Kriegsheft (Juni 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
16. Kriegsheft (Juni 1917)
Date
1917-06-01
Page
[Seite] (sequence 35)
Language
German
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Der Jüdische Student 505 Herzl hätte uns weiß Qott nicht gebraucht, um die neuen» Notwendigkeiten von uns zu lernen — wir hätten sie von ihm gelernt Aber es ist ein Glück, daß die Völker schließlich nicht auf einen Mann, und sei es ihr größter Sohn, angewiesen sind,, um ihren Weg zu gehen. Es gibt einen Volksgeist, der sich auch im dunklen Drange des rechten Weges wohlbewußt ist. Für uns konkretisierte sich dieser Volksgeist wesentlich im russischen Judentum, im russischen Zionismus, Im Westen hat uns Blumenfeld einen parallellen Weg geführt; ihm verdanken wir es, daß wir nicht hinter dem östlichen Judentum zurückblieben. Aber so hoch meine Schätzung von Blumenfelds Leistung auch ist, und so sehr ich glaube, daß er wie jeder Führer uns den Weg leichter und klarer gemacht hat — nach, meiner demokratischen Ueberzeugung hätte der westliche Zionismus auch ohne ihn, allein aus der Kraft seiner lebendig gebliebenen jüdischen Instinkte — die ich für nicht schwächer halte als die des östlichen — den Weg gefunden. (Diese demokratische Ueberzeugung trennt uns hier wie sonst von Witkowsky. Sie macht es übrigens auch unmöglich, daß von unserer Seite ein Artikel „Hie Blumenfeld" geschrieben würde.) Zwirn und seinen Freunden fehlt dieses beruhigende Vertrauen zum Volke. Für sie ist der Zionismus eine Sache der Wenigen, der Eingeweihten — eine Carbonari-Bewegung». Ihre Richtung, die von keinem Programm, d. h. nicht von dem Vertrauen auf gewisse sachliche Notwendigkeiten getragen wird, ist in viel zu hohem Maße von ihrem Führer abhängig-. Sie weiß immer nur das, was der Führer gerade weiß. In diesem Sinne habe ich gesagt, ihnen sei Herzl zu früh gestorben. Hätte Herzl noch die neue Periode des Zionismus heraufgeführt, so wären sie für alle Zeit ihre fanatischen Anhänger — allerdings nur der Form, die gerade an Herzls Todestage bestand. Sie sind nicht imstande, im Geiste des Meisters weiterzuschaffen. So gibt es im heutigen Deutschland Leute, die sich für die wahren^ Hüter Bismarckschen Geistes halten, wenn sie an die Probleme der Gegenwart mit Bismarckschen Schlagworten herangehen. (Sie hatten z. B. bis zum Kriege für das Balkanproblem nichts als die Redensart von den Knochen des pommerschen GrenaT diers übrig.) Als ob es nicht das Bismärckischte wäre, jede Zeit nach ihren eigenen Gesetzen zu beurteilen. Auch hier dürfte man in dem besonderen Sinne sagen, daß Bismarck solchen Leuten zü früh gestorben sei. Er wäre es aber auch, wenn: er noch hundert Jahre gelebt hätte. — Hsrzjs; Bild in seiner ungetrübten, von $Uem Ephemeren be^ freiten Reinheit ist uns der Inbegriff unseres Zionismus. Wir bemühen uns, zionistisch sq zu arbeiten, daß wir uns vor diesem» unseren zionistischen Gewissen* jederzeit verantworten können*.

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