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Der jüdische Student · 1917-06-01 · 16. Kriegsheft (Juni 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
16. Kriegsheft (Juni 1917)
Date
1917-06-01
Page
[Seite] (sequence 34)
Language
German
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504 Der Judische Student Hier sehe ich HerzI verkleinert und möchte, wenn mir der pathetische Stil läge, frei nach Witkowsky dem Verfasser zurufen: „Halt, wer bist du, Freund, und was hast du das dich berechtigte, in dieser Art vom Genius zu sprechen!" Diese Auffassung wirkt allerdings in ihrer banalen Verständigkeit geradezu blasphemisch. Als ob in der Brust des Genies nicht Quellen sprangen, von denen sich die Schulweisheit nichts träumen läßt, als ob dieser wahrhaft schöpferische Mensch nicht weiter die Kraft besessen hätte, die Bewegung mitschaffen! Wohl mag es richtig sein, daß die Zeit der „großen Effekte" im Zionismus vorbei war und daß die Bewegung sich von der Hypertrophie der äußeren Politik—die auch ihr Gutes hatte — der Pflege der inneren zuwenden mußte, d. h zur Verwirklichung der Erkenntnis, daß Zionismus nationale Erziehungsarbeit bedeutet („unansehnliche Kleinarbeit" nach Nordau). Sonst war er in Gefahr, über seine Verhältnisse zu leb^n und an innerer Entkräftung kaputt zu gehen. Die Entwicklung mußte kommen, weil sie im Wesen der Bewegung vorgeschrieben lag. Es ist mein fester Glaube, daß Herzl wie die erste Periode des Zionismus so auch diese zweite geführt hätte. Dieser Glaube entspringt meiner Auffassung solcher Heroen, die ich in die Worte gekleidet habe, daß in ihnen die geschichtliche Notwendigkeit Gestalt annehme. Streit kann nur darüber herrschen, ob eben diese Entwicklung eine Notwendigkeit war. Nachdem sie aber einmal da ist und sich die neuen Generationen überall, im Osten wie im Westen, erobert hat, obliegt meine ich dem, der ihre Berechtigung bestreitet, die Beweislast. Mag er zeigen, was an ihre Stelle zu setzen wäre! Wir andern glauben so lange, als das nicht geschieht, daß das Ziel unseres Strebens, die friedliche Eroberung Palästmas, nicht von außen her, durch keine noch so glückliche Konstellation, Vertrag; oder dgl. zu erreichen ist, sondern nur, wenn der Anspruch auf das Land durch unsere innere Stärke erhärtet wird, d. h. dadurch, daß wir imstarade sind, Menschen und immer wieder Menschen zu erziehen, die hingehen und das Land, in Besitz nehmen; Alles was wir tun, dient diesem Ziele: Herzen; und Geister so zu schulen, daß wir diese Bürger für Palästina gewinnen. Darum bezeichnen wir es als ein Unverständnis^ wenn man uns vorwirft, wir erzögen Theoretiker.. Nein, gerade unsere Arbeit ist eminent praktisch und von der Forderung des Tage? diktiert, und die wahre, auch durch Zwirns Temperament nicht aus ihrer dogmatischen Erstarrung zu erweckende; LehensfrerndlieÜ liegt da, wo nicht von dieser menschlichen Fort* bH4ung gehandelt wird, sondern von einer mystischen Zukunft* deren Schleier uns noch niemand gelüftet hat;: >; i}i>:

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