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Der jüdische Student · 1917-06-01 · 16. Kriegsheft (Juni 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
16. Kriegsheft (Juni 1917)
Date
1917-06-01
Page
[Seite] (sequence 31)
Language
German
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Der Jüdische Student 501 1896. Wie es kam, daß damals in dem Hirn des Genius der Lunken aufblitzte, der unsere Welt erleuchtete, ist, als ein Elementarereignis, nicht zu erklären. Jeder Erklärungsversuch würde den Vorgang nur verkleinern. Man muß sich damit begnügen, zu glauben, daß in einem Manne wie Herzl der Geist und das Schicksal eines Volkes Menschengestalt angenommen haben, daß •sein Wollen Gesetze der geschichtlichen Entwicklung offenbart. Dies ist der Bezirk in Herzls Persönlichkeit, den zu betreten niemandem möglich sein wird, der nicht aus demselben Lande stammt wie er. Es ist der Fehler aller derer, die bisher über 3ierzl etwas auszusagen versuchten, daß sie an seinen Grenzen nicht Halt machten und sich nicht damit begnügten, das Unerforschliche schweigend zu verehren. Was darstellbar und der Erläuterung bis zu einem gewissen Grade zugängig ist, ist Herzls Gestalt nach ihrer, ich möchte sagen diesseitigen Seite hin,- also das, was man im prägnanten Sinne Persönlichkeit, höchstes Glück der Erdenkinder, nennt. Man soll aber auch hier nicht überschätzen, wieviel durch Hervorhebung von Einzeizügen — üblich: „der Adel seiner Erscheinung, die Kraft seines Willens"') — gesagt wird. Sie werden sich kaum jemals zu einem Gesamtbilde zusammenschließen. (Wie es methodisch gemacht werden müßte, dafür können Goethes „Winkelmann und sein Jahrhundert/' Emil Ludwigs „Bismarck" als Muster dienen.) So schien mir z. B. immer mehr als die abstrakte Benennung einzelner Züge seines Wesens eine Anekdote zu besagen, die ich einmal von einem Teilnehmer des ersten Kongresses hörte. Vor der Eröffnung des Kongresses hatten sich in einem Saa'e eine Anzahl Vertrauensmänner versammelt, von denen viele, namentlich solche aus Rußland, seit langer Zeit Zionisten, Herzl noch nicht kannten und dem Neuling mit Mißtrauen und allen Vorbehalten entgegensahen. Sie waren entschlossen, ihm nicht ohne gründliche Prüfung zu folgen, Herzl betrat den Saal — und bezwungen von seiner Erscheinung, erhoben sich alle wie ein Mann und grüßten ihn wie einen König. Aus derartigen Zügen formt sich uns eher Herzls Bild. Wie er sich in dieser Episode zeigt, ist er uns ein Symbol des .neuen jüdischen Menschen, und als solches bleibt er uns ein unzerstörbares nationales Besitztum. Bis hierher bewegten wir uns in dem Streit entrückten Gebieten. Jetzt aber beginnt der große Irrtum chrer, die Herzl mit Witkowskys Aiigen sehen. Die Gesetzeskraft, die dem einsam geborenen Gedanken innewohnt, läßt sich unmöglich auf jeden Ausläufer seiner Verwirklichung übertragen, und nicht in ,;.*) Witkowskys Satz: „Gemütstiefe und Fülle der Phantasie, aber beides .gebändigti von eitler prüfenden Besonnenheit — sie macht ihn zum Staatsmann itnd Propheten, sie schied ihn vom Projektenmacher und Sektierer" ist .allerdings von einer unzulässigen Plattheit

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