Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 16. Kriegsheft (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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500 Der Jüdische Student der Oedanken drängt uns zu unserem Tun, sondern Liebe und nüchterne Ueberlegung. Es ist die Liebe zu den jüdischen Dingen und eine doppelte Ueberlegung: Wir werden immer mit einer Diaspora zu rechnen haben, und wir wollen, daß wesentliche Teile dieser Diaspora befähigt seien, sich als Diaspora zu fühlen, im lebendigen Kontakt mit der palästinensischen Entwicklung. Und der zweite Qrund: wir müssen ein Geschlecht erziehen, das erlöst sein will. Sonst könnte es sich ereignen, daß wenn einmal der große politische Moment kommt, wenn der Messias erscheint, er auf verlegene Gesichter stößt von Leuten, die sich nicht bereitet haben. Und wenn wir wirklich etwas von Phantasten an uns haben? „Glauben Sie mir, die Politik eines ganzen Volkes — besonders wenn es so in aller Welt zerstreut ist — macht man nur mit Imponderabilien, die hoch in der Luft schweben. Wissen Sie, woraus das Deutsche Reich entstanden ist? Aus Träumereien, Liedern, Phantasien und schwarzrotgoldenen Bändern. Und in kurzer Zeit. Bismarck hat nur den Baum geschüttelt, den die Phantasten pflanzten." Also sprach zu Baron Hirsch nicht ein Romantiker, sondern unser großer Klassiker Theodor Herzl. Helden, Helden Verehrung und ihre Verirrungen Von Erich Cohn (V, J. St. Maceabaea-Beilin A. H.j, Berlin „Das Sichtbare wird vergehen, das Unsichtbare aber ist ewig." Meine Aeußerungen auf dem K. J. V.-Tag über Herzl haben Witkowskys besondere Empörung erregt. Wenn er ihr in durchaus unsachlicher Weise Luft macht, so muß ihm zu Gute gehalten werden, daß er das Heiligtum seines Zionismus verletzt glaubt. Hätte ich mich wirklich einer Blasphemie gegen Herzls Persönlichkeit schuldig gemacht, so hätte Witkowsky Recht. Ich will aber versuchen, auseinanderzusetzen daß Witkowskys Gefühl völlig falsch ist und entweder auf Mißverstehen oder auf dem Unvermögen, menschliche Dinge richtig zu erfassen, beruht. Denn ich glaube von mir sagen zu können, daß Herzls Persönlichkeit mir ein so teurer Besitz ist, wie sie es einem Zionisten nur sein kann. Aber die Ehrfurcht, mit der ich zu Herzl aufblicke, hindert mich nicht, ja, ein Bedürfnis, ihn recht zu erfassen, treibt mich, mich um ein Verständnis seiner vollen Menschlichkeit zu bemühen. Es mag noch so oft dargelegt werden, daß der vor-Herzische Zionismus bereits alle Elemente des Herzischen besessen habe— trotzdem datiert für uns das neue Judentum erst vom Jahre