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Der jüdische Student · 1917-06-01 · 16. Kriegsheft (Juni 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
16. Kriegsheft (Juni 1917)
Date
1917-06-01
Page
[Seite] (sequence 27)
Language
German
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* Der Jüdische Student 497 Theorie paßte. Ich kann diesem Spezialproblem hier nicht näher nachgehen. Sehr gutes ist daiüber im 2. Heft des Juden von Max Mayer gesagt. Ein zweiter wichtiger Gegenstand jüdischer Beschäftigung ist uns die jüdische Geschichte. Und da komme man nicht wieder damit, das sei nichts Neues. Ich glaube in der Tat, daß wir uns heute schon ganz anders als früher mit ihr befassen. Bisher stand im Vordergrund bei uns das Studium der Geschichte des 19. Jahrhunderts als zionistisches Tendenzmittel. Ich weiß noch, wie mir vor einigen Jahren ein bekannter jüngerer BJCer mit überlegener Miene als gereifte Weisheit verkündete, man sei jetzt immer mehr zu der Erkenntnis gelangt, daß Beschäftigung mit jüdischer Geschichte nur als Mittel zur Tendenzausbildung in die Korporation gehöre. Für eine solche dienende Auffassung vom Geschichtsstudium, die dazu führte, nur aus dem 19. Jahrhundert Argumente für unsere zionistiche Theorie herauszuholen, wird bei der heute herrschenden Grundstimmung immer weniger Raum sein. Wir wollen nicht Geschichte treiben, um etwas beweisen zu lernen, sondern weil wir. von Liebe zu unserm nationalen Sein getrieben, wissen wollen, wie wir wurden und waren. Und es scheint mir dafür ein gutes Zeichen zu sein, daß gerade das Interesse für die biblische Zeit in sehr starkem Maße erwacht ist. Dabei wird sich gewiß zeigen, daß es kein leerer Wahn ist, wenn wir glauben, uns nationalen Juden offenbare sich der Sinn der judi sehen Geschichte tiefer als den anderen.*) Vor einem Mißverständnis sei gewarnt. Wir wähnen nicht, wie Herlitz uns vorwirft, daß Kenntnisse die Gesinnung von Männern zu beeinflussen imstande seien. Diese Kritik verdient übrigens ßlumenfeld und sein Kreis am allerwenigsten. Sie habert immer, vielleicht schon allzu ausschließlich die Gesinnung, d. h. den Willen zur Bejahung des Judeseins gepflegt. Das Verhältnis ist doch offenbar so: Kenntnisse können niemals causa efficiens, wirkende Kraft für lebendiges Judentum sein, wohl aber sind sie conditio sine qua non für ein vertieftes Judentum, für einen Nationalismus, der nach jüdischen Inhalten ringt. Gewiß bedeutet das alles noch nicht im vollen Sinne des Wortes „ein jüdisches Leben führen."**) Und gerade darum mußte *) Ein lebendiges Beispiel hierfür bot uns in Berlin im letzten Semester der Geschichtskurs .von Rubaschoff, der als „Einleitung in die jüdische Geschichte" im wesentlichen die jüdische Geschichtsschreibung in den,verschiedenen Epbchen behandelte und uns dabei ganz neue Lichter setzte. In dem hiqr erörterten Zusammenhange würde besonders seine Darstellung und Kritik der Dubnowschen Auffassung von Diaspora und Zentrum interessieren. Es bietet $icfr hoffentlich bald die Möglichkeit,, die Quintessenz der Vorlesung dem Kartell zugänglich zu machen. '**) Das schwierige Problem, der jüdischen Lebens f.a r m e n bedarf einer Sondererörterung. :M <- <

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