Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 16. Kriegsheft (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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496 Der Jüdische Student jüdische Fnsel in dem uns umbrandenden Meer fremder Einlüsse. Was die Kenntnis und Pflege der hebräischen und jüdischen Literatur nicht nur für den Einzelnen, sondern als nationales Bindemittel zwischen Ost und West, zwischen Palästina und Diaspora dann später einmal bedeuten kann, braucht hier wohl nicht näher ausgeführt zu werden. Einige spezielle Bemerkungen Witkowskys im Zusammenhang mit dem Hebraismus bedürfen noch einer Kritik. Es entspringt einer blassen Theorie und nicht einer Kenntnis der Tatsachen, wenn Witkowsky sich niemals davon hat überzeugen können, daß in einem Hebraisten vom Range Nahum Sokolow s mehr „Jüdisches4, lebt als in Maximilian Harden. Wenn er seine Artikel und noch mehr, wenn er seine Feuilletons lesen würde, würde er sehen, wie sehr gerade Sokolow von jüdischer Kultur gesättigt ist, allerdings auch von der talmudisch - rabbinischen, nicht nur der „reinen, der feinen, der einen", der autochthonen biblischen. Die Spuren der slawischen Kultur bei Sokolow nachzuweisen, würde Witkowsky wohl ziemlich schwer fallen. In „uns Romantikern" ist auch schon die Frage laut geworden, ob die hebräische Sprache geeignet ist, adäquater Ausdruck europäischen Denkens zu werden. Allerdings beantworten wir sie anders als Witkowsky. Wenn man vermöge seiner Erziehung das Glück gehabt hat, nicht den Weg vom Rath zum Chomesch zurückzulegen, sondern vom Chomesch und den Propheten zu Mischna und von Mapu über Smolenski zu Achad Haam und Bialik gehen konnte, ist einem das „gewisse Erschrecken" vor der „neuen Sprache" erspart geblieben. Man hat dann eine Entwicklung mitangeschaut und weiß, daß das sogenannte Neuhebräisch im wesentlichen nach Syntax|und Wortschatz bereits das Hebräisch der Mischna ist, die ja schließlich auch ein antochthones Produkt ist. Man weiß ferner, daß das Hebräisch eines Bialik in vielen seiner Dichtungen dem biblischen an grandioser Schlichtheit nicht nachsteht und daß andrerseits heute zu gleicher Zeit ein Hebräisch geschrieben wird, das an Ausdrucksfähigkeit jetzt schon den andern Kultursprachen ebenbürtig ist. Jedenfalls ist es grotesk, zu behaupten, daß noch Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte vergehen müssen, bis es diese Ebenbürtigkeit erlangt hat, nachdem ein Achad Haam geschrieben hat, nachdem Frischmann den Zarathustra übersetzt hat, nachdem eine mannigfaltige Fachliteratur in Palästina bereits entstanden ist und täglich weiter entsteht. Und was die jüdische Sprache anlangt, so wird es allerdings eine segensreiche Folge eines wesenhafteren jüdischen Nationalismus sein, der sich bemüht, den jüdischen Tatsachen näherzukommen, daß wir nicht wie früher das Jüdische aus reinem zionistischen Doktrinarismus übersehen oder nicht sehen wollen, weil es Uns nicht in den Kram, d. h> in die zionistische