Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 16. Kriegsheft (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 495 Noch ein Wort über das Element der Abwendung im Zionismus. Es liegt m. E. nicht auf geistigem, sondern sittlichem Gebiet. In seinem „Mauschel" schmäht Herzl mit keinem Worte den jüdischen Geist des Golus, das Ghettohafte geißelt er im Moralischen. Anti-Mauschel sind wir als Zionisten mit aller Erbitterung, hüten wir uns, aus dem Streben nach einem fremden Idealbild heraus zum Anti-Juden zu werden. Nicht vom Galuth weg und gegen das Galuth, sondern mit allen im Galuth aufgespeicherten reichen Kräften zum Zionismus! In diesem Geiste gehen wir an unsere zionistische Golusarbeit. Als einen der wichtigsten jüdischen Werte haben wir den Hebraismus erkannt. Was hat Witkowsky hier vorzubringen? Zunächst einen „hübschen Zufall" als „psychologischen Beweis." Daß es nämlich Bundesbrüder gibt, die schon durch ihren Lebensberuf über ein ungewöhnliches Maß hebräischer Kenntnisse verfügen und die doch der Richtung Zwirn angehören. Dieses Argument ist wirklich kein Treffer. Haben wir jemals behauptet, daß Hebräischlernen den Zionismus erzeugt, den wir erstreben? Umgekehrt sind wir der Meinung, daß unser Zionismus den lebhaften Wunsch erregt, hebräisch zu erlernen, auch wenn man nicht durch seinen Lebensberuf verpflichtet ist, sich ein größeres Maß hebräischer Kenntnisse zu verschaffen. Das Argument mit den Theologen als den ganzen Juden führt nicht Holdheim, sondern Witkowsky ad absurdum Wenn wir so beschränkt wären, das zu glauben,, was Witkowsky uns imputiert, warum dann nur unsere Theologen als die ganzen Juden anführen, warum nicht lieber gleich den hebräisch gelehrten Antizionisten oder Protestrabbiner? Das zeigt schon, daß wir doch nicht ganz so einfältig sind» wie Witkowsky uns hinstellt. Aber auch Witkowsky muß doch einsehen, daß es—zionistisch gewertet—einen Unterschied ausmacht, ob einzelne hebräisch lernen aus religiös - traditionellen Gründen, als zukünftige Rabbiner oder Orientalisten, oder ob man beginnt, das Hebräische als nationalen Gemeinschaftswert zu erkennen, und sich viele Bundesbrüder heute mit einer früher doch nicht beobachteten Intensität dem Hebräischen zuwenden. Niemand wird hoffentlich so töricht sein, auf Grund hebräischer Kenntnisse sich einzureden, er führe ein jüdisches Leben. Aber es fördert doch nicht die Sache, wenn man bei den Andern derartige Übertreibungen unterstellt und sie lächerlich macht,, statt lieber den berechtigten Kern der betreffenden Vorstellungaufzuspüren. Gewiß, ob einige Leute unter uns hebräisch verstehen, ist für die Judaisierung des Golus belanglos. Steigt aber die Zahl der hebräisch Verstehenden unter uns, dringt das Hebräische immer mehr auch in unser Haus und unsere Familie ein, dann gewinnt es für uns allerdings eine ganz neue große Bedeutung, eben als Gemeinschaftsfaktör, zugleich als»