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Der jüdische Student · 1917-06-01 · 16. Kriegsheft (Juni 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
16. Kriegsheft (Juni 1917)
Date
1917-06-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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492 Der Jüdische Student auch ihre Anführung etwas willkürlich. Warum nicht z. EL Spinoza und Karl Marx? Sind das auch nur traurige Golus« blüten? Was mich mehr interessiert, ist Witkowskys Wertung des nachbiblischen Schrifttums. Ist es Zufall, daß er für dieses keine Repräsentanten anführt oder sind ihm Erzeugnisse nachbiblischen Schrifttums nicht so genau bekannt? Sicherlichkennt er doch aber z. B. die Sprüche der Väter, einen Traktat der Mischna — auch nachbiblisches Schrifttum. Ich kann nicht finden, daß dort ein so abscheulicher Geist weht, wie Witkowsky ihn zeichnet. Der Wert und die Bedeutung des religiösgesetzlichen Teils des Talmuds, der Halacha, für die Erhaltung; des Judentums soll hier nicht gewürdigt werden. Die Sprüche der Väter aber sind nur ein kleiner Teil jener großen Literaturgattung der Haggada, „in der das Herz und die Poesie des religiösen Lebens ihren Ausdruck fanden und noch jetzt finden"" (Chwolson, das letzte Passahmahl Christi S. 70). Diese Haggada empfand Heine, auch nicht gerade ein verkrüppelterGolusjude, als einen blühenden Zaubergarten, als „glaubenskräftigj, glaubensglühend" (Hebräische Melodien: Jehuda Halevi). Und dann möchte man Witkowsky daran erinnern, daß es einmal eine spanische Epoche im Golusjudentum gegeben hat. Unct vor allem: diesem geschmähten Golusjudentum verdanken wir unsere Erhaltung, nie war in ihm die Palästinaliebe erloschen: und schließlich hatte es die Kraft, unseren Zionismus zu erzeugen. Aber da kommt Witkowsky und sagt uns, für ihn sei Zionismus in jedem Falle Abwendung vom jüdischen Geiste desGolus. Da scheiden sich allerdings die Geister i Für mich steht am Anfang des Zionismus keine Abwendung^, wenigstens nicht Abwendung von irgend etwas Jüdischem, sondern ein liebevolles Sichzuwenden zur jüdischen Totalität, für mich ist Zionismus — vom politischen Ziel abgesehen — eine Betonung, meinethalben bewußte Überbetonung aller jüdischen Elemente in mir. Ich eliminiere nicht von vornherein organische Bestandteile jüdischer Entwicklung, weil sie mir nicht in mein Idealbild passen. Witkowskys Beurteilung des nachbiblischen Judentums erinnert an die Art, wie die Evangelien das Judentum im Zeitalter Jesu zeichneten* Von gewissen christlichen Gelehrten (es trifft dies aber auch auf die Evangelien, selbst zu) hat der schon erwähnte große jüdische Apostat Gh wolson (Passahmahl Christi S.81) einmal gesagt, sie malten zuerst mit einem groben, in pechschwarze Farbe und Straßenschmutz ein-1getauchten Anstreicherpinsel einen schmutzig-schwarzen Hintergrund und schrieben darunter: „Das ist das Judentum zur Zeit Christi", dann nähmen sie einen anderen, feinen, in Goldlackeingetauchten Pinsel und malten auf jenem Hintergrunde das* Bild Jesu. Aehnlich macht es Witkowsky, der es seinem neuerb.

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