Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 16. Kriegsheft (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537721-3537724--3950-3541691- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Jüdische Student 4S9 einer großen Judenbewegung, die Anregungen, die uns das jüdische Gemeinschaftsleben der Ruderer und Wanderer bringt, werden uns bald über die Ergebnisse des letzten K. I.V.¬ Tags hinausführen. Ich hoffe, daß es mir noch lange Zeit gelingen wird, mit der Entwickelung Schritt zu halten, daß es mir vergönnt sein wird, ihr noch oft gute Wfcge zu weisen. Ich glaube, daß Witkowsky sich irrt, wenn er nach einem Jahrzehnt die von ihm jetzt vertretene Meinung als die herrschende im Zionismus zu begrüßen hofft. Er wird, so sehr seine Wesensart sich auch dagegen sträuben mag, schließlich doch an einen unaufhaltsamen Fortschritt glauben müssen. Wie dem aber auch sei, ich werde freudig mit ihm gemeinsam arbeiten, wie ich es auch früher tat, wenn die Gelegenheit dazu vorhanden war. Es ist ein Märchen, daß jemals eine Gruppe auf mein Betreiben im K. J.V. ausgeschaltet worden ist. Wohl aber haben sich manche immer in den Schmollwinkel gesetzt und beleidigt jede Mitarbeit abgelehnt. Ausgeschaltet waren immer nur die, die sich, wie z. B. Nußbaum, durch dauernde Untätigkeit selbst ausgeschaltet haben. Nur wer den bundesbrüderlichen Zusammenhang durch unermüdliche Mitarbeit aufrecht erhält, wird im Kartell sich heimisch fühlen, das uns zu einer jüdischen Heimat geworden ist. Zionismus und Golusbejahung Von Moses Sm oira (V. j. Sf. Maccabaea Königsberg A. H.), Berlin Witkowsky s Artikel „Hie Zwirn" ist auf jeden Fall sachlicher als seine Kampfruf-Ueberschrift ahnen läßt. Erfreulich wirkt, daß hier nicht, wie es jetzt vielfach im Kartell beliebt äst, gegen die zu bekämpfende Richtung die bessere Bundesbrüderlichkeit ins Feld geführt, sondern daß der Kampf mit geistigen Waffen aufgenommen und sachliche Klarstellung zionistischer Probleme versucht wird. (Unsere „Ungeistigen", „Antitheoretiker", die sich neuerdings auch „Soldaten" oder „Aktivisten" nennen — so Herlitz im letzten Rundschreiben des Ruder-V. J. St. (Anlage 4) — berufen sich m. E. völlig zu Unrecht auf Witkowsky, denn auch er erörtert Probleme.) Allerdings habe ich bei vielen von den Antitheoretikern den Verdacht, daß sie gar nicht so sehr gegen das Denken als gegen bestimmte, ihnen unerwünschte Denkresultate, nicht so sehr gegen das Problemsteilen als gegen die Art der Problemlösung sind. Die andern dagegen, die wirklich gegen das Nachdenken sind, sollten doch bedenken, daß der Zionismus schließlich auch eine Oedankenwelt bedeutet und daß man daher zu seiner Durchdringung