Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 16. Kriegsheft (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3537599-3537721-3537724--3949-3541690- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
488 Der Jüdische Student einstdurch alle Tage unseres Lebens begleitet, der Auszug aus Aegypten und der Zug ins Land der Verheißung, war die wunderbarste Kraftentfaltung des jüdischen Geistes. In vierzig Jahren der Wüstenwanderung wurden wir zum Volk, als der neu geschaffene jüdische Geist zur Herrschaft gelangt war. Ein heroischem Zug durch die Wüste Wäre freilich in wenigen Wochen zu er^ ledigen gewesen. Die Schaffung der rein physischen Lebensbedingungen (eine sehr vieldeutige Forderung) wird auch in Zukunft niemals für die Erneuerung unseres Volkes ausreichen. Witkowsky müßte eigentlich mit der gleichen Energie wie wir die Uebersiedelung nach Palästina fordern, wie wir sie auch in der Posener Resolution, in der es heißt, jeder Zicnist habe Palästina in sein Lebensprogramm aufzunehmen,, gefordert haben. Er will glauben machen,, daß dieser Beschluß ein Surrogat für die radikale Forderung der Uebersiedelung nach Palästina bedeute, während er doch aus der von ihm miterlebten Geschichte des deutschen Zionismus wissen müßte, daß diese Resolution der sichtbare Ausdruck für dieselbe Forderung war,> die ich bei dem K.J. V.-Tag in der Form ausdrückte: „Die Uebersiedelung nach Palästina ist das Ziel unseres Lebens."" Er schätzt den auf alles verzichtenden, als Landarbeiter hinübergehenden Zionisten über alles. Ob ihm andere Formen der Uersiedelung nicht als wertvoll erscheinen, ob er unsere Jugenderziehung so angelegt wissen will, daß sie notwendig zur Uebersiedelung führt, bleibt unklar. Wie er durch seine Anschauung uns dem Ziel des Zionismus näher zu bringen hofft, ist nicht zu erkennen. Er beruft sich auf Herzl. Wie deutet er Herzls Wort von der Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland? — Ich habe es für meine Pflicht gehalten, mich endlich einmal im 1. St. zu äußern. Ein solcher Wust von Legenden, Verdrehungen und schiefen Urteilen hatte sich angesammelt, daß ich das Wort zunächst zur Abwehr ergreifen mußte, damit nicht jeder Bundesbruder sich irgend eine möglichst törichte Behauptung ausdenke und dann als meine Anschauung bekämpfe. Der Kampf der Meinungen wird weiter gehen. Aber soweit es an mir liegt,, will ich dafür sorgen, daß er ernst und sachlich geführt wird- Die Unbundesbrüderlichkeit, die zum Quell aller Verdrossenheit wurde, lag großenteils in jener Methode der ungründlichen Verallgemeinerung. Die neuen Aufgaben* die unserer harren,; werden, wenn wir sie recht erfüllen, schon von selbst dafür sorgen, daß nur das in tüchtiger Arbeit Erworbene im Kartell die rechte Würdigung findet. Die Entwicklung wird gewiß in* schnellem Tempo vorwärtsschreiten. Die notwendigen. Umformungen unseres Verbindungslebens* die Schaffung