Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 16. Kriegsheft (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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486 Der Jüdische Student* zentrisches Leben vorzubereiten, damit die erstaunlich schnelle Entwicklung Palästinas uns und der nächsten Generation nicht die Möglichkeit des Zusammenhangs raubt. Nur durch eine starke hebiäische Bewegung und durch ein jüdisch-nationales Leben ist ferner die zionistische Weltorganisation als die Einheit aufrecht zu erhalten, auf deren festem Grunde wir eine judische Politik aufbauen. Die politische Arbeit unserer Organisation hat mir den Beweis erbracht, daß wir auf Grund unserer nationalen Geschlossenheit als eine Macht von* Mächten empr funden werden, mit denen wir über unsere politische Zukunft zu verhandeln haben. Der kompromißlose, im Palästinagedanken* gipfelnde Nationalismus hat sich im Kriege Gehör zu verschaffen* gewußt. Wir haben seit einigen Jahren zum ersten Mal seit Bestehen unserer Bewegung eine wirkliche, mit politischen. Methoden arbeitende zionistische Politik, der es gelungen istp, unter Ausnutzung aller organisatorischen Kräfte Erfolge zu erringen. Wer mich kennt, weiß, wie vorsichtig ich gerade in dieser Hinsicht zu wägen pflege, und Witkowsky weiß ausden ersten Monaten des Krieges, in denen ich die Freude hatte,, mit ihm wiederholt in bestem Einvernehmen politische Fragen zu besprechen, wie nüchtern ich allen auf die Wirkung nach außen hin berechneten Maßnahmen gegenüberstand. Unsere Politik wird nach dem Kriege nur dann Resultate erzielen können., wenn die Bewegung als innerlich und äußerlich untrennbare Einheit erscheint. Ich weiß hierfür heute kein besseres Mittel als die zunächst in meinem K. J. V.-Tags-Referat und auf dem Deiegiertentag vorgeschlagenen Versuche. (Die Anschauung, daß< ein Leben in Warschau oder gar der ständige Aufenthalt in der Dragonersfraße eine halbe Palästinareise sei, halte ich aus den* früher erörterten Gründen für unrichtig, so wertvoll auch für Einzelne solche Unternehmungen sein können.) Vor allem aber r. der Wunsch nach einem jüdischen Leben ist nicht so sehr aus. diesen praktischen Erwägungen in uns erwachsen, wie aus einer ganz ungedanklichen, allmählich gleichzeitig, in den Herzen vieler erwachenden Sehnsucht. Als im Kriege die uns Tag für Tag, in Spannung haltende Arbeit für das Wachsen der Bewegung aufhörte oder andere Formen annahm, hatten wir Muße, uns mit uns selbst zu beschäftigen und gleichzeitig, ohne von einander beeinflußt zu sein, fühlten ich und andere mir vertraute Bundesbrüder das Bedürfnis, unser jüdisches Sonderdasein auch» in unserem Leben stärker zu betonen Diesem tiefen Verlangen, gab Hirscli in seiner Rede auf dem Kartelltag,, gab in anderer Weise Julius Rosenfeld in seinem Artikel Ausdruck. Nicht in eine Welt des Scheins wollen wir uns flüchten, wir wollen vielmehr aus einer Welt des Scheins, in der wir leben, herauskommen und uns ein unserem wahren Sdn entsprechenderes Leben gestalten.