Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 16. Kriegsheft (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3537599-3537721-3537724--3946-3541687- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Jüdische Student 485 Träger. Aus „jenem Gemisch aus Ererbtem, Anerzogenem, in Not und Qual Erschaffenem und Hineingeprägtem, jenem grauenerregendem Geist des Optimismus . . " ist unser Zionismus erwachsen. Der Versuch, geschichtlos zu werden und noch einmal ganz von vom zu beginnen, ist glücklicherweise eine »menschliche Unmöglichkeit. Wir wollen zu neuem judischen Leben erwachen, umformen und unbesorgt Altes zerbrechen, das •sich uns in den Weg stellt. Wir werden immer anknüpfen ,an das eben ^Vergangene, anknüpfen an das Judentum des 19: Jahrhunderts; aber wir werden niemals willkürlich an irgend «eine Periode ältester Vergangenheit uns anknüpfen können, so als ob die dazwischen liegenden Jahrtausende der Geschichte ein großes Nichts gewesen wären. Auch die nachbiblischen Zeiten gehören zu unserer Geschichte, der Geist des Galuth ist in ahnen fruchtbar gewesen «und wirkt in der neuen Entwicklung unserer Sprache und unseres Denkens. So lange die zionistische ädeolo^ie sich damit begnügte, daß das Judentum des Galuth zu Grunde geht und in Palästina das neue Leben geschaffen wird, hatte das Wort Galuthverneinung den klaren Sinn, daß alles was hier geschieht, wertlos ist und alles, was in Palästina geschieht, schon deshalb wertvoll ist, weil es in Palästina geschieht. Wir haben heute den organischen Zusammenhangzwischen der zionistischen Entwickelung im Galuth und in Palästina gefunden. Wir verneinen das Galuth durch zionistisches Leben in Palästina und im Galuth. Töricht ist es, zu prophezeien, ob hier ein zionistisches Leben möglich ist oder nicht. Wir wissen nur, daß es auch in Palästina von uns abhängen w*rd, ob wir das Judentum durch jüdisches Leben erneuern werden. III Die Uebersiedelung nach Palästina ist meine oberste Forderung. Sie wird mit größerer Energie erhoben denn je. Von der Erfüllung dieser Forderung durch eine große Zahl von Zionisten hängt das Gelingen unseres Werkes ab. Diese Zio- •nisten müssen. zionistisch und fachlich dem Leben im Lande gewachsen sein. Bisher versagten unsere Gesinnungsgenossen aus Westeuroga dort vielfach menschlich, oft auch ihrer Ausbildung nach. Auch osteuropäische Siedler, die ohne Kapital ins Land kamen, konnten mitunter nicht heimisch werden. Unter dem menschlich großenteils wundervollen Arbeitermaterial erlitten viele wegen mangelnder Berufsausbildung Schiffbruch. Um der Übersiedelung nach Palästina willen ist neben einer stärkeren fachlichen vor allem eine ganz neue jüdische Vorbereitung erforderlich. So ergibt sich schon aus dieser äußerlichen Notwendigkeit die Notwendigkeit der Konkretisierung unseres Nationalismus. Das auch in Zukunft für unmeßbare Zeit weiter bestehende Galuth zwingt uns dazu, hier ein jüdisches d.h. palästino-