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Der jüdische Student · 1917-06-01 · 16. Kriegsheft (Juni 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
16. Kriegsheft (Juni 1917)
Date
1917-06-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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482 Der Jüdische Student Jude ist, nur einen Ausdruck jenes zersetzenden, respektlosen Geistes des Galyth zu sehen vermag. Er war ordentlich überrascht, als ich ihm einmal versicherte, die Sozialistischen Monatshefte seien eine Zeitschrift von höchster geistiger Kultur. So konstruiert er sich ein jüdisches Herrenvolk der Vergangenheit, sieht nicht, daß die Bibel weniger eine Leistung dieses naiven Herrenvolkes gewesen ist als einer späteren Zeit* die andere Helden hervorbrachte als kraftstrotzende Recken, würdig in Walhall zu sitzen. So formt er aus Herzt einen Helden ohne Fehl, den er allem menschlichen U»teiJ entrücken möchte, und stellt uns damit einen Oelgötzen dar, der uns weder Führer noch Freund zu sein vermag. Kein Buch ist so reich an Führerpersönlichkeiten wie die Bibel. Wie werden dort die Heroen der jüdischen Geschichte dargestellt, wie menschlich nahe steht uns Moses, mit dem das Denken unseres Volkes sich seit Jahrtausenden beschäftigt! Wer hat es je als ketzerisch empfunden, wenn man die Mosesgestalt menschlich zu deuten versucht hat? Witkowsky aber vermerkt ironisch das Wort Erich Cohns vom unvollendeten Herzl. Er hält es für notwendig, ihn lächerlich zu machen, nur weil er eine Meinung über Theodor Herzl hat, die dessen Göttlichkeit Abbruch zu tun scheint. Ich glaube allerdings, daß die Art, wie Ericli Cohn sich um Herzl müht, eher geeignet ist, uns ein Bild von diesem außerordentlichen Manne zu geben, als die bisher allgemein geübte Methode Witkowskys, die verhindert hat, daß irgend einer von uns von Herzls Persönlichkeit eine anschauliche Vorstellung besitzt. Ja, Herzl starb als ein Unvollendeter, weil er ein unermüdlich strebender Mensch war! Wer die Geschichte des Zionismus kennt, weiß die Wahrheit über seine Größe und seine Grenzen. Und auch der jüngste von uns hat das Recht, Herzl darzustellen, wie er ihn sieht, und braucht mit seiner Kritik nicht Halt zu machen vor der allerhöchsten Person, die nicht in die Debatte gezogen werden darf. Herzl schuf die wahrhaft demokratische jüdische Volksbewegung, und diese Bewegung läßt sich ihrem Schöpfer nicht dadurch entrücken, daß ihm jedes menschliche Maß genommen wird. Der Zuruf Witkowskis läßt Herzl wahrlich nicht größer erscheinen. „Halt, wer seid ihr, junge Freunde, und was habt ihr außer eurer Jugend, das euch berechtigt, in dieser Art vom Genius zu sprechen, zu wähnen, daß dieser einzige Mensch nicht alle Höhen und Tiefen der jüdischen Tragödie erlebt hätte und erst eure Entdeckung vom seelischen Neuland ihn zur Vollendung geführt hätte?" Seit Herzls Tod gibt es eine unungeheure Aufwärtsentwicklung im Zionismus. Nicht unsere Entdeckungen hätten Herzl überrascht, wohl aber die jüdische Entwicklung Palästinas, wohl aber das nationale Leben der zionistischen Jugend, das freilich anders aussieht als der Herzl

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