Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 16. Kriegsheft (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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480 Der Jüdische Student 3. Unsere Bemühungen, hebräisch zu lernen, werden mit der uns bekannten Methode dargestellt. Holdheim — d.h. wie immer bei Witkowsky: die um Blumenfeld — behauptet angeblich, daß der Kenner des Hebräischen schon wegen dieser Kenntnis ein jüdisches Leben führt. Nach Holdheims Theorie müßten die Theologen unter uns die ganzen Juden darstellen. Holdheim hat die Behauptung, daß allein die Kenntnis des Hebräischen ein jüdisches Leben bedeute, nie aufgestellt; wohl hat er behauptet, daß sie einer der Faktoren ist, die zu einem jüdischen Leben befähigen. Ich habe, was Witkowsky aus allen meinen Reden wissen muß, immer den Schwerpunkt auf die Gesinnung gelegt. Auch mir ist es bekannt, daß es hervorragende Kenner des Hebräischen gibt, die als Zerstörer des Judentums gewirkt haben und heute noch wirken. Ob jemand in der älteren Generation vom Hebräischen etwas versteht oder nicht, braucht für seine jüdische Stellungnahme nicht bedingend zu sein.' Etwas ganz anderes ist es, wenn heute unsere Jugend aus zionistischer Gesinnung hebräisch lernt. Die Kenntnisse sind gewiß nicht das Leben, und Emil Cohn und Gotthold Weil haben durchaus Recht, daß sie auf Grund ihrer hebräischen Kenntnisse allein noch nicht den Anspruch erheben, ein jüdisches Leben zu führen. Was sollen übrigens die von Witkowsky aufgeführten Namen beweisen? Er kann doch nicht damit den Lerneifer abkühlen wollen, daß er durch Aufzählung von drei Namen, der drei Namen, die denen um Zwirn immer als Experten für jüdische Dinge gelten, den Beweis führt, daß nur Bundesbrüder seiner Gruppe imstande sind, das Hebräische zu beherrschen? Hätte Witkowsky sich die Mühe genommen, sich in der neuen hebräischen Bewegung Westeuropas umzusehen, so müßte er vor der Ernsthaftigkeit des Lernens und der Größe des Könnens einen Respekt haben, der ihm verbietet, die sich nicht um Zwirn scharenden Bundesbrüder hebräische Analphabeten zu nennen. Erfreulicherweise steht auch über meine Bewertung der Kenntnisse und des Lernens der hebräischen Sprache in dem Bericht über mein Referat eine kurze Aeußerung: „Alles, was wir heute über die Konkretisierung unseres Nationalismus zu sagen vermögen, sind Anfänge, aber die Inhalte können nur aus einer Fülle von kleinen Beiträgen erstehen, bis uns ein schaffender Geist ungeahnte Fülle jüdischer Leistungen als neues Kulturgut geben wird." Witkowsky kennt die Strömungen in der zionistischen Welt Organisation nicht genügend, er würde sonst wissen, daß der Wille, hebräisch zu lernen, nicht bei uns entstanden ist, sondern mit gleicher Stärke die zionistische Jugend aller Länder erfüllt. Ueber die zukünftige Entwickelung des Hebräischen brauchen wir uns - hier nicht zu unterhalten. Witkowsky beruft sich auf einen ostjüdischen Sachverständigen, der seine Auffassung bestätigt hat,