Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 15. Kreigsheft (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 455 lieh nicht mehr mit den heutigen Aufgaben, die sich die Zionisten stellen. Es umfaßt heute viel mehr. Dadurch ist die Erreichung unserer Ziele nicht erleichtert worden. Wir schaden uns und dem Ganzen, wenn wir Leuten, die ein von allen festgelegtes Ziel wie den Palästinensismus verfolgen, mit Bedenken und aufhaltenden Imponderabilien in den Arm fallen. Der Zionismus hat heutzutage so viele Ziele und Arbeitsgebiete eröffnet, da& es wohl Zeit wäre, eine strikte Arbeitsteilung vorzunehmen. Möge denn jeder von uns sich ein solches bestimmtes Ziel seines Zionismus suchen, daraufhin seine Kräfte spielen lassen, alles andere aber ungeschoren lassen! Dann werden wir auch, weiterkommen und uns nicht in gegenseitigem Kampfe aufreiben. Dann wird sich auch zeigen; wer etwas zustande bringt und wer nur ein negatives Interesse hat. Dies ist meine bescheidene Meinung. So werdet ihr mich nicht mißverstehen, wenn ich nur solche bitte, zu meinen Vorschlägen sich zu äußern, die eine Übersiedlung nach Palästina für sich persönlich noch in diesem Leben erstreben. Leonhard Peritz Hans Cohn Hans Cohn ist erst im Mai 1916 aus der Garnison nach dem Westen gekommen, lag lange Zeit mit einer Kompagnie in Reserve und rückte am Abend des 18. Juli zum ersten Mal in Stellung. Im Morgengrauen des 19. von einem englischen Angriff beim Verbinden Verwundeter überrascht, suchte er vor dem feindlichen Artilleriefeuer zunächst Deckung in einem Granatloch. Als er beim Abflauen des Artilleriefeuers seine Deckung verließ, um zu seinen Kameraden in einen nahe gelegenen Graben zu springen, faßte ihn das plötzlich einsetzende feindliche Maschinengewehrfeuer, und er erlag einem sofort tödlichen Kopfschuß. Hans Cohn entstammte einem Hause, wo an positiven jüdischen Werten lediglich der Stolz auf die jüdische Abstammung vorhanden war, im übrigen aber als Ideal der Erziehung umfassende allgemeine Bildung, anständige Gesinnung und gute Kinderstube galt. Man verkehrte nur in gleichgesinnten Kreisen und vermied sorgfältig die innere und äußere Berührung mit der Masse des jüdischen Volkes und seinen Problemen. Naturgemäß erschwerte dieser Umstand Hans auch nach seinem Eintritt in die Maccabaea die gefühlsmäßige Gefolgschaft mit uns. Sein Verstand und sein Blick ließen ihn zwar unsere Auffassung