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Der jüdische Student · 1917-05-01 · 15. Kreigsheft (Mai 1917) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
15. Kreigsheft (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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Der Jüdische Student 447 zusagt, anzuschließen, wird weniger radikale Zionisten heranbilden als die jetzt übliche Fuxenerziehung, aber sie wird eine größere Festigkeit, mehr innere Ueberzeugung und weniger Phrasendrescherei zur Folge haben. Habe ich mich damit schon gegen das Aufoktroyieren einer radikal-zionistischen Anschauung überhaupt gewandt, so erhebe ich noch viel mehr Protest dagegen, in einem Bundesbruder erst in zweiter Linie den Bundesbruder und in erster Linie den Zionisten zu sehen. Ich bin ins K. J. V. bezw. in den damaligen B. J. C deswegen eingetreten, weil mir seine Tendenz zusagte, weil ich in ihm meine damals auf noch recht schwachen Füßen stehenden Ansichten über Zionismus festigen zu können hoffte. Ich bin deswegen ins K. J. V. und nicht in den K. C eingetreten. Aber warum bin ich überhaupt aktiv geworden? Hätte ich nicht dasselbe in jeder anderen zionistischen Vereinigung erreichen können? Ich bin aktiv geworden, weil man mir erzählte, was die Korporation einem Bundesbruder gebe: junge Menschen, die, weil sie dem gleichen Ideal zustreben wie ich selbst, jeder auf seine Weise, mir Freunde sein werden, die mich in keiner Lebenslage im Stiche lassen, denen es Freude macht, mir zu helfen, wo sie können, und denen auch ich nach Kräften helfen werde aus Freude am Helfen.—Als ich im Sommer 1914 in Freiburg aktiv war, da hatten wir jeden Tag von 12 bis 1 Uhr Schwimmen. Einige Burschen sollten es denen von uns, die noch nicht schwimmen konnten, beibringen. Die „Schwimmlehrer" stehen in lässiger Unterhaltung am Ufer. Da springt plötzlich ein krasser Fux, der gerne schwimmen lernen will, mit dem Rufe ins Wasser, in dem er keinen Grund hat: „Ich kann nicht schwimmen! Rettet mich, oder ich ertrinke!" Sofort sind zwei, drei im Wasser und bringen den Waghalsigen mit einigen kräftigen Stößen ans Ufer, voll Freude darüber, daß er auf diese mutige Weise den Burschen gezeigt hatte, daß er erstens mit der Unaufmerksamkeit derer, die ihn schwimmen lehren sollten, nicht einverstanden ist, zweitens, daß er zu seinen Bundesbrüdern das feste Vertrauen hat, daß sie ihn in einem Augenblick der Gefahr nicht im Stiche lassen, daß sie ihm mutig zu Hilfe eilen. Ist das „gojische Sentimentalität"? Möglich, daß ein solches Wagnis vielen als gojisch erscheint, aber ist dieses Vertrauen des einen auf den andern, diese wahre Bundesbrüderlichkeit, nicht schön, und sollen wir sie von jetzt ab an unseren jungen Semestern, den kommenden Generationen, vermissen? Ich weiß, daß ich durch diesen Protest Gefahr laufe, von einem großen Teil der Bundesbrüder für einen schlechten Zionisten und damit schlechten K. J. V-er gehalten zu werden. Ja ich weiß, daß ein Teil, die Radikalsten, von mir sagen werden, daß Leute wie ich nicht ins K. J. V. gehören. Aber anderer-

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