Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 15. Kreigsheft (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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446 Der Jüdische Student Schweigendes Einverständnis? Von Siegfried Spitz (V. J. St. Berlin), im Heere Ich durchblättere noch einmal den letzten J. St, das zweite, dritte Mal, suche nach einer Stimme, die Protest erhebt, nach irgend einer Aeußerung eines Aktiven, der unbeeinflußt von der Berliner Sphäre seine Meinung zum Ausdruck bringt, suche wie nach einem Rettungsanker in dem Chaos der oppositionellen Oedanken, die auf mich einstürmen beim Lesen der einzelnen Artikel—und was finde ich? Nur eine kurze Notiz des Stammtisches Frankfurt, daß „eine Aussprache über die Grundfragen der inneren Kartellpolitik sich den Ausführungen vom A. H. Robert Nussbaum anschloß und Einmütigkeit aller Versammelten hinsichtlich der behandelten Fragen dartat." Deutlich ein Protest, aber dieser Protest erscheint mir in der Form zu gering, zu leise, als daß er über die wahre Gesinnung Aufschluß geben könnte nicht nur der Bundesbrüder in Frankfurt, sondern vieler, die jetzt im Felde stehen, und die auf die Zeit vertrösten, in der sie heimkehren und dann schon wieder die Richtung im K. J. V. in ihrem Sinne beeinflussen werden. Ich habe immer von der Bundesbrüderlichkeit eines jeden K. J. V.-^rs verlangt, daß er, wenn ihm etwas an einem Bundesbruder nicht gefiel, ihm dieses offen sagte, selbst wenn er damit Gefahr lief, sich selbst in ein schlechtes Licht zu setzen. Ich weiß genau, daß ich heute, indem ich hierdurch meinen Protest kundgebe — erstens, meinen Protest dagegen, Ansichten Alter Herren über die Wesenhaftgestaitung des Zionimus, die diese ihre Ansichten einer langen Entwicklung verdanken, als Norm für die Erziehung krasser Füxe aufzustellen; zweitens, meinen Protest gegen das Setzen einer radikal-zionistischen Anschauung vor die Bundesbrüderiichkeit— Gefahr laufe, von einem großen Teil der Bundesbrüder für ganz äußerlich gehalten zu werden. Ich weiß über den Erfolg dieser Aeußerung noch mehr. Bevor ich jedoch darauf eingehe, will ich erst noch einmal auf die beiden Punkte meines Protestes zurückkommen. Ich erhebe Protest gegen die erste Forderung, weil ich glaube, daß eine Erziehung in deren Sinne, die jede freie individuelle Entwicklung im Zionismus ausschließt, nur nachteilige Folgen haben kann. Zionisten, die so erzogen sind, müssen dazu kommen, die ihnen gewissermaßen eingeimpften Ansichten über Zionismus kritiklos nachzubeten. Eine solche Erziehung wird also gerade das Gegenteil von dem erzielen, was eigentlich ihr Zweck sein soll. Eine Fuxenerziehung, die die Füxe mit der Entwicklung des Zionismus und der zionistischen Literatur bekannt macht und die herrschenden Ansichten im Zionismus einer eingehenden Würdigung unterzieht, dabei aber es jedem selbst überläßt, sich der Ansicht, die ihm am meisten