Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 15. Kreigsheft (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Jüdische Student Nieder beinahe da wieder angelangt sind, wo wir einstmals als Junge gestanden haben, in der inneren Organisation des Kartells sowohl wie auf dem weiteren Gebiete des Zionismus. Wohl haben wir Verständnis für die Jugend uns bewahrt und wissen, daß es eine Entwicklung in geistigen Fragen wie in äußeren Formen gibt und „daß Begriffe, Dinge und Personen, die zu unseren Zeiten in Blüte standen, ihre Rolle ausgespielt haben können" (R o s e n f e 1 d S. 350). Aber eine Entwicklung geht nicht immer geradlinig, sondern oft in den merkwürdigsten Krümmungen, und daß wir unbedingt diese immer mitmachen, selbst wenn sie manchmal wieder an den Ausgangspunkt zurückkehrt, das kann man wirklich von uns nicht verlangen. Im Gegenteil, ich sagte es schon zu Anfang, es würde uns Älteren schlecht anstehn. Um die Dinge also beim rechten Namen zu nennen, verkörpert die ältere Generation einen notwendigen Hemmschuh, einen gesunden Konservativismus. Wenn man aber erst zu dieser Erkenntnis gelangt ist, so muß man auch die Konsequenz daraus ziehen und einsehen, daß es töricht ist, wenn diese beiden Gruppen innerhalb des K. J. V. sich aufs bitterste befehden. Jede hat in* ihrer Art Recht, jede ist notwendig zur Existenz des Ganzen, jeder muß also die /Möglichkeit gegeben sein, sich innerhalb des Kartells Gehör zu verschaffen. Hier liegt der springende Punkt; diese Möglichkeit feh!f bisher der älteren Generation vollkommen. Zwar haben die Bezirksverbände Sitz auf dem Kartelltag, aber keine Stimme, und wenn nicht durch die Gnade eines Vereins auch einmal ein Vertreter der alten Richtung ein Mandat bekam, so war diese absolut mundtot oder mindestens einflußlos. Das ist ein ungesunder Zustand, der nach Abhilfe verlangt. Löwenstein gab schon in einem Feldpostbrief Aehniiches zu verstehen, Schwabacher verfocht denselben Gedanken kürzlich in einem Privatbrief; er ist also auf dem Marsch. Aufgabe des nächsten Kartelltags wird es sein, diese Organisationslücke auszufüllen. Ob man in einer Zusammenfassung der Bezirksverbände, in einer alle Alten Herren einschließenden Organisation gewissermaßen ein Oberhaus schafft, welches gleichzeitig mit dem Kartelltag tagt und ein Vetorecht dessen Beschlüssen gegenüber erhält gleich dem Hause der Lords, ob andere Vorschläge hier inzwischen auftauchen, jedenfalls muß eine Lösung gefunden werden, welche der Jugend, der Äktivitas, auch weiterhin die Initiative sichert und dennoch zugleich der älteren Generation die Möglichkeit bietet, weiterhin tätigen Anteil an der Entwicklung des Kartells zu nehmen.