Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 15. Kreigsheft (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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442 Der Jüdische Student wo sollten die nicht aufgenommenen Studiosi sonst zum Zionismus erzogen werden?" Also die alte so viel befehdete Sammelpunkttendenz, basierend auf dem Gedanken, daß es wirklich unter den sechshunderttausend Juden Deutschlands noch einige gibt, welche noch nicht von der Wiege an mij dem Baseler Programm aufgewachsen sind! Daß Marcus an anderer Stelle wieder das Wort „Zionismus" in der Tendenzfassung vermißt, ist allerdings etwas unverständlich, bemerkenswert aber für uns Ältere das Eingeständnis, jetzt so häufig wiederkehrend, daß die im „Blau-Weiß" zu Zionisten Erzogenen dem K. J.V. den Rücken kehren wollen. Und warum? Als „fertigen Zionisten" kann es ihnen nichts bieten und der Rahmen des Studentisch-Korporativen behagt ihnen nicht mehr. Ich könnte Genugtuung empfinden über die Verwirklichung der Kassandrarufe von damals: wozu zionistische Korporationen für solche, die bereits Zionisten sind? Interessanter ist mir aber der zweite Grund; denn wurde vor jetzt elf oder zwölf Jahreo nicht die Maccabäa gegründet im Gegensatz zu gewissen Berliner Bestrebungen, die auf eine Sprengung des engen Korporationslebens hinausgingen, und wurde dies nicht als Allheilmittel zum Zwecke der einzig wahren jüdisch-studentischen Erziehung gepriesen, war.es nicht der Ausgangspunkt immer schärferer Gestaltung des rein Studentischen, endigend mit der unbedingten Satisfaktion? Und jetzt? „Die Wochenkneipen sind die unangenehmsten Erinnerungen meiner Studentenzeit", sagt Marcus. Julius Rosenf e I d empfindet die Erinnerungen an das Mensurwesen und die Ehrengerichte, Felix R o s e n b 1 ü t h an die Chargierten in Wichs als peinlich.. Weit schwerwiegender jedoch als diese Formen des Korporationslebens und selbst der Grundtendenz erscheinen mir die mit erfrischender Offenheit von H o 1 d h e i m vorgebrachten Anklagen gegen Blumenfeld; denn anders läßt es sich nicht bezeichnen, wenn dem Meister von einem seiner Jünger vorgeworfen wird, daß er sie nur mit künstlerisch vollendeten Worten berauscht, denen „mit zwingender Notwendigkeit die tiefe Ernüchterung folgen mußte"; daß seine Erziehung nur das Resultat zeitigen konnte, „alle seinem Einfluß unterliegenden Bundesbrüder zu unglücklichen, innerlich gebrochenen Menschen zu erziehen". Allerdings, das war der Blumenfeld von früher; der vom 1. Oktober aber, für die breitere Öffentlichkeit nach dem letzten Delegiertentag, ist ein ganz anderer. Er und Salii Hirsch haben nun erkannt, daß „heute fast keiner nach Palästina übersiedeln wird" (Holdheim S. 347) und sie suchen daher „nach einer nationalen Gestaltung unseres Lebens in Golus." Mittel zu diesem Zweck ist die Kenntnis der hebräischen Sprache so