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Der jüdische Student · 1917-05-01 · 15. Kreigsheft (Mai 1917) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
15. Kreigsheft (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Der Jüdische Student 441 anschauung als tiefsten Grund des Gegensatzes hinzustellen. Den einen bedeute der Zionismus ihr ganzes Sein und Werden, den andern aber nur ,;eine Provinz ihrer Seele". Sie wären Zionisten nicht aus eigenem Bedürfnis, sondern im Grunde nur .für die Juden des Ostens. Palästina und Uganda, politischer und Kulturzionismus, das wäre ihnen alles *eins und dasselbe. Ich kann mir nicht anmaßen, im Sinne aller älteren Bundesbrüder zu sprechen, die hier zu einer Richtung zusammengeworfen sind, aber ich glaube, weder Weltanschauungen noch Schlagwörter spielen hier eine Rolle, sondern im wesentlichen nur die nun einmal nicht wegzuleugnende Altersdifferenz und die oben schon betonte Erziehung durch das Leben. Beneidenswert seid Ihr Jüngeren, die Ihr Euch Eurem Ideal mit ungeteilter Kraft hingeben könnt, aber auch für Euch wird die Zeit kommen, wo die Anforderungen des Berufs und der eigenen Familie „Provinzen Eurer Seele" mit Beschlag belegen und Eurem ganzen Wesen ihren Stempel aufdrücken werden! Das Philistertum ist nun einmal eine genau so notwendige Stufe der Entwicklung wie die Zeit der ungebundenen Jugend, und wenn es dem Studenten wohl ansteht, sich seinem Ideal ungehemmt hinzugeben und der Schwierigkeiten nicht zu achten, die auf dem Wege Hegen, wir Aelteren können und dürfen es nicht. Natürlich gibt es hüben und drüben Ausnahmen, die durch besondere Umstände leicht zu erklären sind, so die genannten Pelz und Zlocisti, weil sie in ständiger Berührung mit den Korporationen ihres Wohnsitzes sich mit diesen entwickelt haben. Entwicklung ist eine Notwendigkeit für jede geistige Bewegung und besonders für eine so junge wie sie der Zionismus darstellt. Deshalb wird kein vernünftig Denkender unter uns glauben, das die zionistische Anschauung, mit welcher er ms Leben getreten ist, unwandelbares Dogma für ihn sein könne, aber lächerlich wäre es auf der andern Seite und verhängnisvoll für die ganze Bewegung, wenn auf Kommando von oben her nun alsbald alle die älteren Zionisten ihre Ueberzeugung preisgeben und das neue Schlagwort, die neue Methode und die neuen Formen als die alleinseligmachenden ansehen wollten. Bewähren sie sich gegen den Widerspruch aus Ueberzeugung oder konservativem Gefühl heraus, so werden sie sich allmählich durchsetzen, waren sie ein Irrweg, welch Glück, das die allgemeine Gefolgschaft ihnen versagt geblieben war! * Ich will vom Abstrakten ins Konkrete übergehen: vor zehn Jahren, mit der berühmten Breslauer Resolution, begann die bewußte Zionisierung des B. j. C., welche — von einer Reihe älterer Bundesbrüder lebhaft bekämpft — kurz vor dem Kriege in der Fusion ihren vorläufigen Abschluß fand. Jetzt heißt es in d£m Aufsatz von Joseph Marcus: „Das K. J. V. muß versuchen, alle rrtoralisch brauchbaren jüdischen Studenten zu sammeln . . .

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