Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 15. Kreigsheft (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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440 Der Jüdische Student In jedem tragischen Zeitalter erklingen laut die Stimmen der Romantik. Die gefühlsstarken Elemente, denen die innere Zucht, die Bändigung ihrer Empfindungen versagt geblieben ist, flüchten aus der schwerlastenden Wirklichkeit in eine Welt des holden Scheins, Es liegt häufig viel Schönheit in diesem Tun, und; der leidende Mensch läßt sich gerne von ihr umfangen. Indessen wußte noch jedes lebensfähige Volk den rückwärts gewandten, liebevoll versenkten Blick nach einiger Zeit wieder den in der Zukunft winkenden Zielen zuzuwenden. So glaube ich denn allerdings, daß wir zwar durch den Zionismus Blumenfeldscher Richtung hindurch müssen, ihn aber schon nach einem Jahrzehnt weit hinter uns haben werden. Ein Wort zur Verständigung Von Sam Weiß (V.J. St. Freiburg A. H.) z. Zt. im Felde Es ist seit langer Zeit das erste Mal, daß ich den J. St. mit einem Gefühl tiefster Befriedigung aus der Hand gelegt habe. Nicht weil ich mit dem Inhalte der in ihm enthaltenen Aufsätze von Holdheim, Rosenfeld, Wöllstein und den andern durchaus übereinstimme —das Gegenteil ist bei einigen der Fall —, sondern weil hier Vertreter der jüngeren Generation im K.J. V. in ernster,, sachlicher Form, frei von den üblichen Geistreicheleien und persönlichen Anzapfungen, nach Klarheit ringen. Sie suchen zur Klarheit zu gelangen über sich selbst in dem immer noch nicht ausgetragenen Streit über Judentum und Deutschtum, über Sinn und Zweck des Kartells in Verbindung mit seinen äußeren Formen und seinen Erziehungsmethoden und endlich über die letzten Fragen und Konsequenzen des Zionismus, Es ist nun für mich wenigstens kein Zufall, daß alle, die in diesem Heft in der geschilderten Weise das Wort ergriffen, den Krieg wirklich mitgemacht haben. Denn ganze Männer, welche sich des Ernstes dieser Zeit und ebenso der dem Kampfe folgenden voll bewußt sind, sprechen hier, und damit ist eine Scheidewand gefallen gegenüber den Vertretern der älteren Ge^ im KJ. V? welche schon vor dem Krieg das Leben, die Berufspflichten :und die Berührung mit der nichtjüdischen Umwelt in diesem Sinne erzogen hatte. Mit ihnen scheint mir eine Verständigung nicht nur möglich, sondern sicher, und da sie ja nur die Sprachführer der großen Majorität sind, so glaube ich, wird" die bisher immer tiefer gewordene Kluft zwischen der alten und der neuen Richtung im K. j. V. nach dem Kriege bei der Möglichkeit einer ruhigen Aussprache bald überbrückt sein, Gerhard H o 1 d h e i m versucht, ' die Gruppe „$eref un> Zwirn" eingehend £U charakterisieren und eine verschiedene Welfr