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Der jüdische Student · 1917-05-01 · 15. Kreigsheft (Mai 1917) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
15. Kreigsheft (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Der Jüdische Student 437 berechtigte, in dieser Art vom Genius zu sprechen, zu wähnen, daß dieser einzige Mensch nicht alle Höhen und Tiefen der jüdischen Tragödie erlebt hätte und erst Eure Entdeckung von seelischem Neuland ihn zur Vollendung geführt hätte? Aber Ihr vergeßt, daß ihm Eure Romantik bereits in der Form der >,Kulturpartei" entgegentrat, die von Fei we 1 und Buber, also von Männern nicht gerade geringer Qualität, geführt wurde. Er brauchte nicht erst Blumenfeld zu erleben, um die Forderung eines „jüdischen Judentums" in seinen geistigen Bezirk aufzunehmen. Er hat sogar eine Wanderfahrt nicht nur nach Polen, sondern bis ins Innere Rußlands unternommen, die ihm ein Seelenerlebnis von so eindringlicher Größe wurde, wie es wohl den meisten unserer Bundesbrüder ewig versagt sein wird. Er hat den ostjüdischen Menschen und seine seelische Veranlagung besser gekannt als je einer von Euch. Dazu befähigte ihn ebenso sein politisches Führeramt, wie sein dichterischer Blick. Aber er blieb ein Verneiner des Oolus. Seine dichterische Phantasie hat in Altneuland den jüdischen Menschen der Zukunft gesehen. Diesem haftet nichts mehr vom Ostjuden an, und wenn er auch allzusehr in das Gewand eines allgemeinen Europäertums gekleidet ist, so kann aus dieser schmerzlichen Tatsache nichts anderes geschlossen werden, als daß dem Dichter der visionäre Blick in die Zukunft versagt, oder wenn man schon von einer Entwicklungsmöglichkeit sprechen will, noch nicht erschlossen war. Herzl sah — darüber kann für mich kein Zweifel bestehen — im jüdischen Menschen ein Ziel, keinen Beginn, ein Ideal, keine Wirklichkeit, und auch ein weiteres Lebensjahrzehnt hätte diese Grunderkenntnis seines Daseins nicht umstoßen können. Für ihn war der Ostjude und mußte es bleiben ein ebenso unvollkommenes, aber die Möglichkeiten einer reichen jüdischen Zukunft in sich tragendes Menschentum, wie der von westlicher Kultur erfüllte Jude. So wies sein Blick in die Ferne, ohne daß dem scharfsichtigen Auge des Staatsmannes die Forderungen der nahen Stunde entgingen. Es kann für mich auch gar nicht zweifelhaft sein, wie der Schöpfer des Baseler Programms den Begriff des jüdischen Volkes erfaßt hatte. Nichts bezeichnender als sein Wort vom Judentum unterwegs. Sollte dem genialen Blick dieses Mannes entgangen sein, daß das Ostjudentum etwas ist, was die Zeitgeschichte von selbst überwindet, daß ein geschichtlicher Vorgang, der sich vor mehr als einem Jahrhundert im westlichen Judentum abspielte, mit automatischer Gesetzmäßigkeit im Osten Europas vor unsern Augen seine Wiederholung findet? Darf man von ihm die romantische Gemütsverfassung erwarten, die «erforderlich ist, um unter Ausschaltung aller Erfahrungswerte in einer vergangenen Zeitepoche lebendige Gegenwart zu suchen? Hold heim erhofft von Wanderfahrten und mehrjährigem

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