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Der jüdische Student · 1917-05-01 · 15. Kreigsheft (Mai 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
15. Kreigsheft (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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434 Der Jüdische Student Ijcfaer Zuversicht entgegen. Dazu habe ich mancherlei zu bemerken- Zunächst möchte ich auf einen hübschen Zufall aufmerksam machen: Emil Cohn und Gott hold Weil, die schon durch ihren Lebensberuf über ein Maß hebräischer Kenntnisse verfügen, das der Mehrzahl der Bundesbrüder, selbst den eifrigsten unter ihnen, für alle Zeiten verschlossen sein wird, die sicherlich in der Lage sind, hebräische Zeitungen zu lesen und hebräische Dichter zu begreifen — E m i I C o h n hat uns sogar treffliche Uebersetzungen Jehuda Halevischer Dichtungen geschenkt — gehören der Richtung Zwirn an, haben sich also noch nicht zum vertieften Zionismus der andern Gruppe durchringen können, die — wir wollen doch die Dinge beimrechten Namen nennen — mehr oder weniger aus hebräischen Analphabeten sich zusammensetzt. Ich weiß, daß weder Emil Cohn noch Weil auf Grund ihrer hebräischen Kenntnisse den Anspruch erheben, ein jüdisches Leben zu führen. Sie sind sicher mit mir der Meinung, daß unser Geistes- und Seelenleben einen reaktiven Vorgang darstellt, dessen Gesetze in frühester Kindheit festgelegt sind und durch keine noch so liebevolle Beschäftigung mit einem Gegenstand in grundlegender Weise beeinflußt werden können. Nach Holdheims Theorie müßten ja die Theologen unter uns die ganzen Juden darstellen,— wenn wir uns nicht entschließen wollen, gerade bei ihnen eine besondere geistige und seelische Minderwertigkeit vorauszusetzen. Ich kann es auch nicht unterlassen, auf Heinrich Löwe, in dem ich immer noch das große zionistische Phänomen'in Deutschland sehe, hinzuweisen, einen ausgezeichneten Hebraisten, den man gewiß nicht ohne weiteres zur Gruppe Zwirn rechnen kann. Unbändige Heiterkeit aber würde ich bei Löwe und allen Eingeweihten auslösen, wollte ich ihn zu einem Anhänger Blumenfelds stempein. Nach diesem gewissermaßen psychologischen Beweis zur Frage des Hebraismus selbst. Ich möchte nun um Gottes Willen nicht den Verdacht aufkommen lassen, als wäre ich ein Feind des Hebräischen. Ich habe im Kriege Hebräisch zulernen begonnen und meine Studien auch unter schwierigen Verhältnissen — zu meiner innigsten Freude und Genugtuung — fortsetzen können. Wie sollte ich mich nicht freuen, wenn Schranke um Schranke fiel, die sich bisher dem Verständnis entgegenstellten! Aber ich habe mir zu keiner Zeit eingebildet, * daß mein Seelenleben, die Art meines Denkens und Fühlens, die sich gleich den körperlichen Funktionen in längst fertigen, festgelegten Bahnen, nicht auf Grund, sondern aller späteren sogenannten Lebenserfahrung zum Trotz gesetzmäßig vollzieht, durch ein noch so gesteigertes hebräisches Studium gewandelt werden könnte. Ich habe mich auch niemals davon überzeugen können, daß in einem Hebraisten vom Range Nah um Sokolows mehr „Jüdisches" lebt, als — sagen

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