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Der jüdische Student · 1917-05-01 · 15. Kreigsheft (Mai 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
15. Kreigsheft (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Der Jüdische Student 433 Ich weiß freilich, daß mir von vielen Seiten nunmehr das Wort „Chassidismus" entgegengerufen wird. Aber ich frage die Bundesbrüder: Wer kennt ihn aus eigenster Erfahrung und nicht durch die Vermittlung Bubers? Daß indessen Bubers Legenden mehr Buberisch als chassidisch sind, ist dem ohne weiteres begreiflich, der Bubers Entwicklung verfolgt hat. Was aber an ihnen chassidisch ist, trägt den Stempel des Golus: Armut der Phantasie, vom Verstände reguliert, allegorisch, ohne inneres Schauen. Mit Recht hat übrigens Elias Auerbach vor einiger Zeit in der „Jüdischen Rundschau" darauf hingewiesen, daß in B u bers Beutung des „Judentums" eine Unterströmung, die sich zu kerner Zeit Zeit des Golus als besonders lebenskräftig erwiesen hat, zum leitenden Prinzip erhoben wird. Wenn uns der Weg unserer Betrachtung von Buber zu Achad Haam führt, so gewahren wir, abgesehen von seiner hebräisch-literarischen Bedeutung, einen europäischen Popularphilosophen mit stark englisch-rationalem Einschlag. Im Jüdischen ist er ein Geistesverwandter Cohens. „Das Wesen der jüdischen Religion liegt in der Gerechtigkei t." Der im Golus lebende alexandrinische Philo sieht in Abraham das Symbol der „Sophrosyne". So wird er fast zu einer Zeit, in der die glutvollen Visionen des Danielbuches im jüdischen Volke lebendig sind, der Vater der jüdischen Golusvernünftigkeit, der Schöpfer des „jüdischen Geistes" und findet über Jahrtausende hinweg seine Fortsetzung in Hermann Cohen und Achad Haan*. Der Einwand, daß es sich, wie in jedem Volke, auch bei uns um verschiedene Ausstrahlungen desselben einheitlichen Geistes handle, lasse ich nicht gelten. Denn ich glaube, gezeigt zu haben, daß es sich um Wesensunterschiede handelt, die keine Brücke verbindet. Dort nationaler, autochthoner, nur aus sich schöpfender Geist, dessen Wiedererweckung, wie ich glaube, nicht anders als durch Schaffung der rein physischen Lebensbedingungen eines freien Volkes zur Wirklichkeit werden kann, hier eine in Unfreiheit und Not herangezüehtete Geistesart, die kaum eine Ahnung von der im Schutte der Jahrhunderte versunkenen ursprünglichen Wesenheit aufkommen läßt. So stellt sich mir das Problem des jüdischen Geistes dar. H o 1 d h e i m sieht die Dinge wesentlich einfacher und vielleicht findet er Gelegenheit, mir entgegenzutreten. Ich will auch den Fall setzen, daß es ihm gelingt, den „jüdischen Geist" scharf zu umgrenzen und ihm alles Problematische, das mich beschäftigt,' zu nehmen. So bleibt immer noch die Frage zu entscheiden, ob das Mittel; das er empfiehlt, uns in den jüdischen Geist in dem Maße eindringen läßt, daß wir von uns behaupten können, „ein jüdisches Leben zu führen". Lernt hebräische Zeitungen zu verstehen, hebräische Dichter zu begreifen! So ruft uns Hold heim mit erstaun-

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