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Der jüdische Student · 1917-05-01 · 15. Kreigsheft (Mai 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
15. Kreigsheft (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Der Jüdische Student 431 Ich will davon absehen, ob Holdheim dem Zionismus derer um Zwirn in seiner Schilderung gerecht geworden ist und, wie schon angedeutet, mich vorläufig nur darauf beschränken, den Zionismus Blumenfeldscher Richtung kritisch zu behandeln, ist es nicht merkwürdig, daß meines Wissens bisher noch von keiner Seite auf die geradezu verblüffende Aehnlichkeit des „neuen", des vertieften Zionismus mit der deutschen Romantik hingewiesen worden ist? Die Männer vom Anfang des 19. Jahrhunderts, die ihr deutsches Empfinden zur Bewußtheit erhoben, glaubten das Mißverhältnis zwischen der Kläglichkeit ihrer politischen Gegenwart und der Machtfülle vergangener Zeiten nicht ertragen zü können. Sie begriffen nicht, daß es im geschichtlichen Leben ungelöste Tragik gibt, die, wenn überhaupt, nur längsam der Genesung entgegenreift. Sie waren die Unbedingten, die sidh nicht begnügen wollten, nur Brücke zu sein für kommende Geschlechter, denen erst die Erfüllung zuteil wurde. So schufen sich diese Romantiker, die in gleicher Weise ungebändigter Gefühlsüberschwang wie Verworrenheit der Gedanken kennzeichnete, eine Welt des Scheines. Ihrem hochgeschraubten Gefühlsleben schien das Mittelalter, dessen Daseirisbedingungen längst geschwunden, wieder lebendig geworden zu sein, und die Folgerichtigsten unter ihnen flüchteten in den Schoß der katholischen Kirche. Unsere jungen Zionisten wollen „jüdisch" werden durch Wanderfahrten nach Polen und Lesen hebräischer Zeitungen, da der Zionismus leider keine schnelle Erfüllung gewährt. Uebertreibe ich? Aber ich bitte die Bundesbrüder, mir zu: glauben* daß mir jede Ironie fern liegt, daß ich Blumenfetd, Holdheim und ihre Anhänger durchaus ernst nehme, weil ich überzeugt bin, daß wirdurch diese romantische Periode hindurch müssen. Mit welcher Selbstverständlichkeit spricht Holdheim vom „jüdischen Geist" und vom „jüdischen Volke", als wären es Dinge* mit Händen zu greifen! Er sieht scheinbar nichts von dem Problematischen, das uns Alte Jahrzehnte lang gequäft und bis heute nicht losgelassen hat. So frage ich denn Höldheim und seine Freunde: Was ist dieser jüdische Geist, nach dem Ihr strebt, wo ist er zu suchen? Zeigt ihn mir! dann wollen wir uns darüber unterhalten, ob Eure Mittel, ihn zu finden, zureichende sind. Ist es der männliche, kraftstrotzende, naive Geist des biblischen Volkes, eines Eroberer- und Herrenvolkes, der in seiner höchsten Vollendung ins Unirdische hinübergreift, unvergänglicn groß und heldenhaft? Oder meint Ihr jenes Gemisch aus Ererbtem, Anerzogenem, in Not und Qual Erzwungenem und Hineingepreßtem, jenen Grauen erregenden Geist des unbedingten Optimismus, der auch dem Dasein des Wurmes noch die lebenswerten Möglichkeiten abzugewinnen weiß, jenen unmetaphysischen, unmystischen Geist, der die

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