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Der jüdische Student · 1917-05-01 · 15. Kreigsheft (Mai 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
15. Kreigsheft (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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43Q Der Jüdische Student von zwei Jahren einer Wahrheit gefährlich werden kann. Ich bin auch weit davon entfernt, irgend etwas Absonderliches darin zu finden, wenn nach Holdheim von dem alten und neuen Blumenfeld trotz seiner zweiunddreißig Lebensjahre gesprochen werden kann. Wir nationalen Juden leben nun einmal ein zehnmal gesteigertes Seelenleben. So schützt mich die Erfahrung meiner vier Jahrzehnte vor dem Fehler so vieler Greise, den Jungen das Recht auf .eigenes Denken zu bestreiten, aber sie bewahrt mich ebenso vor dem Irrtum, im Neuen immer das Bessere, in der sogenannten „Entwickelung" den ständigen Fortschritt, zu sehen, im geschichtlichen Geschehen die krause Linie zu verkennen. So will ich denn versuchen, den Bundesbrüdern auseinanderzusetzen, wie mir der Zionismus derer um Blumenfeld erscheint, ohne daß ich deshalb den Anspruch erhebe, im Namen Zwirns oder seiner Getreuen zu sprechen. Ja, ich bin überzeugt, daß mein Freund Isaac mir in Vielem aufs heftigste widersprechen wird. Es soll dies ein ganz persönliches Bekenntnis werden, für das ich allein die Verantwortung trage; obwohl ich mich natürlich nach wie vor zu den treuesten Anhängern Zwirns zähle. Holdheim hat die beiden im K. J. V. sich bekämpfenden Gruppen in folgender Weise charakterisiert. „Für die um Zwirn ist der Zionismus nur eine Provinz ihrer Seele." Ihnen ist die zionistische Lösung keine sie persönlich angehende Angelegenheit. Sie sind also, um ein Schlagwort vergangener Zeiten zu wählen, Rachmoneszionisten. Die andere Gruppe hat „Palästina in ihr Lebensprogramm aufgenommen*', sie betrachtet eine möglichst innige Verknüpfung mit dem Lande der jüdischen Zukunft als „einzig sinnvolle Folgerung des zionistischen Bekenntnisses". Aus dieser Betrachtungsweise ergibt sich nach Holdheim „die große Erkenntnis: Bejahung des Oolu su oder praktisch gesprochen : „wir müssen den Zusammenhang wiedergewinnen mit dem jüdischen Volk und dem jüdischen Geist.14 Wie wird dieser Zusammenhang mit dem jüdischen Volke erreicht und w elche reichen Flüchte zeitigt er? Auch darauf gibt uns Holdheim unzweideutige Antwort: Wanderfahrten nach Galizien und Polen und, wo es angängig ist, mehrjähriger Aufenthalt sind das Mittel. Dieses »enge Gemeinschaftsleben mit unsern östlichen Brüdern wird uns zu ganzen Juden machen können". Und wie gewinnen wir den Zusammenhang mit; dem jüdischen Geiste? fragt Holdheim. „Erst wenn wir in der Lage sein werden, hebräische Zeitungen zu lesen, hebräische Dichter zu verstehen, werden wir den Anschluß an unser Volk, den wir Westjuden seit einem Jahrhundert verloren haben, wieder erlangen, erst dann werden wir behaupten können, daß wir ein jüdisches Leben führen ...

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