Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 14. Kriegsheft (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Jüdische Student 409 den die jüdische Masse auf den Westeuropäer macht, ist tatsächlich nur ein ganz oberflächlicher. Was an ihr schlecht ist,, läßt sich durch Not und Bedrängnis leicht erklären und ist bei der nichtjüdischen Umgebung, mit der man allerdings weit schwerer Fühlung bekommt, überall in mindestens demselben,, wenn nicht in höherem Maße vorhanden. Lernt man sie aber richtig kennen — und dazu gibt es meist nur am Freitag-Abend und Sabbath Gelegenheit —, so muß man das gewaltige Maß von selbstverständlichem positiven Judentum ebenso lieb gewinnen wie ihre oft wahrhaft rührend guten menschlichen Eigenschaften. Ich werde hier sehr oft an Heines „Prinzessin Sabbath" erinnert, wenn ich auch seine Schilderung des Werktagsjuden als eines „Hundes mit hündischen Gedanken" für eine nicht mehr dichterische,, sondern abgeschmackte Uebertreibung ansehe, die vielleicht auch auf eine oberflächliche Betrachtung zurückzuführen isL Wenn die Gedanken des hiesigen Juden während der ganzen Woche nur auf Geldgewinn gerichtet zu sein scheinen, so bedenkt man nicht, daß der Geldgewinn für ihn eine bittere Notwendigkeit ist, um seine heißgeliebte Familie erhalten und ihr Los nach Möglichkeit besser zu gestalten als sein eigenes, vor allem aber, um den Sabbath in seiner ganzen Heiligkeit begehen und sich wenigstens an diesem einen Tage einem höheren,, geistigen Leben hingeben zu können, das ganz Gott und den Angehörigen gewidmet ist. An diesem Tage, an dem allein sie sich anständige Kleidung und gutes Essen gönnen, verabsäumen sie auch, wie ich oft erfahren habe, keine Gelegenheit,, um Gastfreundschaft zu üben. Gewiß fällt in Großstädten die scheinbar verhältnismäßig große Zahl der jüdischen Dirnen auf. In kleineren Ortschaften wird aber fast ausnahmslos jüdische Zucht und Sitte aufrecht erhalten, und so ist mir in kleinen Städten Russisch-Polens und Galiziens kein einziges geschlechtlich zugängliches jüdisches Mädchen, begegnet, auch dort nicht, wo das Familienoberhaupt gestorben oder eingezogen war. Ich habe auch in Warschau durch Vermittlung von Bbr. Dr. Zabludowski eine ganze Anzahl juristischer Fälle kennen gelernt, in denen Juden einander an Verkommenheit überboten, wo Denunziationen, Betrügereien und sogar Meineid eine große Rolle spielten. Solche verkommenen Großstadtsubjekte — es gibt sogar berufsmäßige „Mosserer"- (Angeber) — bilden doch aber gegenüber der Masse eine'ganz. verschwindende Ausnahme. Die hiesigen Handelsgewohnheiten sind auch nicht spezifisch jüdisch, sondern im Osten allgemein verbreitet und auch in Deutschland noch nicht lange aus dem Kleinhandel verschwunden. Es ist oft nicht leicht, bei den voreingenommenen, oberflächlich urteilenden nichtjüdischen Kameraden in dieser Beziehung aufklärend zu wirken, was ich