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Der jüdische Student · 1917-03-01 · 14. Kriegsheft (März 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
14. Kriegsheft (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
[Seite] (sequence 28)
Language
German
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406 Der Jüdische Student Oesamtlage, bei dem die Aussichten des Erfolges ungleich größer, die Betätigungsmöglichkeiten erheblich mannigfaltiger sind und bei dem schließlich auch jüdisches Leben in unserem Sinne ermöglicht ist. Ich meine eine Betätigung in den Ländern des vorderen Orients, d. h. also Anatolien, Syrien, Mesopotamien, Aegypten usw. Ich will Euch, so gut es der enge Raum gestattet, die Richtigkeit der obigen Behauptungen beweisen. Palästina ist sowohl wirtschaftlich wie politisch ein Teil und zwar ein sehr unbedeutender Teil des vorderasiatischen Länderkreises. Wer Palästina besitzen und behaupten will, muß eine wirksame wirtschaftliche und politische Kontrolle über alle das Land beherrschenden Einflüsse ausüben, und das ist nur möglich, wenn man in Orten wie Aleppo, Damaskus, Bagdad, Kairo, Konstantinopel starke Positionen besitzt. Umgekehrt ist von diesen Orten aus ein direkter Verkehr mit Palästina durch die sehr wahrscheinliche eisenbahntechnische Erschließung bereits in absehbarer Zeit eine Frage von Stunden. Von Aleppo beispielsweise wird man nach Ausbau der Vollbahn Aleppo—Rajak in etwa 12 Stunden Jerusalem erreichen können; man hat also die Möglichkeit, eine Pflanzung, die man sich von seinen Ersparnissen in Palästina anlegt, unter ständiger persönlicher Kontrolle zu halten, man hat seine Kinder, die man nach Jaffa aufs Gymnasium oder nach Jerusalem auf die Hochschule schickt, in fühlbarer Nähe. Man ist in der Lage, sich in allen möglichen Berufen mit großer Aussicht auf Erfolg zu betätigen. Schon heute haben Kaufleute, Ingenieure, Mediziner, Lehrer, Landwirte, Arbeiter usw. ein reiches Betätigungsfeld, sodaß jeder von Euch leicht einen Beruf findet, mit dessen Hülfe er sich dort eine Existenz gründen kann. Auch ein jüdisches Leben in unserem Sinne ist dort viel leichter und natürlicher als hier. Bei der dort herrschenden Vielsprachigkeit ist das Hebräische viel weniger Kunstprodukt als hier, so z. B. bereits im jüdischen Turnverein in Konstantinopel eine praktische Notwendigkeit. Natürlich werden wir als Mitglieder des europäischen Kulturkreises der herrschenden europäischen Sprache immer Konzessionen machen müssen (nebenbei bemerkt, auch in Palästina selbst), aber überall wird das Hebräische im Lehrplan unserer Schulen stark in den Vordergrund treten können, ohne im geringsten Anstoß zu erregen. Große Betätigungsmöglichkeiten bieten sich uns bei den überall vorhandenen eingesessenen sephardischen Juden. So gibt es z. B. in Damaskus, einen aschkenasischen Juden, einen Ostjuden, der hier bis zum Ausbruch des Krieges meines Wissens der einzige seiner Art war und durch dessen Bemühungen ein reges geistiges, jüdisches Leben in Damaskus entstanden war (jüdischer Turnverein, Schule mit mehreren hundert Kindern usw.)

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