Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 14. Kriegsheft (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Jüdische Student 405 ganze Golusarbeit und mit ihr auch die ganze Arbeit im Kartell und für das Kartell unzweckmäßig und minderwertig sein müßte. All diese Wertungsversuche scheinen mir irrig vom Standpunkte einer realen Politik. Wir sollen unsere Jugend zur Opferwilligkeit erziehen; aber ein Opfer hat nur dann einen Sinn, wenn es unserer Sache nützt, während es im andern Falle schadet. Wir haben die Pflicht, der Jugend Ideale zu geben, es müssen aber praktische Ideale sein, an deren Realisierbarkeit wir selbst glauben. Gerade aus dieser Erwägung heraus habe ich gegen das vorliegende Projekt schwere Bedenken. Unsere Leute haben zum größten Teil weder die Vorbildung noch die Eignung zum Bauernberuf. Sie unterschätzen die körperlichen Anforderungen, sie kennen nicht die zerrüttenden Einflüsse von Malaria, Dysenterie und Schwarzwasserfieber bei mangelhafter Ernährung und Pflege und anstrengender körperlicher Arbeit. Ich habe wackere Burschen, wie den Schomer Jzchak Temani gesprochen, die mir erklärten, daß selbst die robustesten unter ihnen dieses aufreibende Arbeiter- und Wächterleben länger als fünf Jahre nicht vertragen. Zu einem ähnlichen -Zusammenbruche müßte es kommen, wenn ihr ohne Eignung zum landwirtschaftlichen Berufe und ohne gründliche praktische Erfahrungen als bemittelte Kolonisten nach Palästina .gehen wollt. Ihr werdet nach erheblicher Einbuße an Geld und Gesundheit verzweifelt und eurer Ideale beraubt dem Lande den Rücken kehren! Was ihr wollt, bleibt als praktisches Ideal nur für die kleine Auslese derjenigen, die einerseits die Mittel besitzen, eine Reihe von Jahren im Lande zu lernen, ohne auf Einnahmen angewiesen zu sein, andererseits aber warme Zuneigung und Eignung zum landwirtschaftlichen Berufe haben. Dabei ist noch vorauszusetzen, daß uns die politischen Verhältnisse nach dem Kriege eine freie Betätigung im Lande gestatten. Allen übrigen von uns winkt das Ideal des palästinensischen Weinstockes und Feigenbaumes erst in weiter Ferne. Zu diesen gehöre auch ich. Erst nach einer erfolgreichen Lebensarbeit können wir daran denken, als Rentner unsern Lebensabend im Kreise Gleichgesinnter zu verbringen. Zu diesem Lebensabend könnt Ihr natürlich auch kommen, wenn Ihr Euch als Rechtsanwälte in Krotoschin oder ähnlich betätigt. Das wollt Ihr aber nicht, da Ihr Euch entschlossen habt, auch Eure Berufsarbeit in den Dienst der Sache zu stellen. Ich glaube nun, auf Grund meiner Erfahrungen, Euch einen Gegenvorschlag machen zu können, dessen Befolgung an Euren Opfermut ähnliche Anforderungen stellt wie Euer Plan, bei dem Erfolg oder Mißerfolg unabhängig ist von der politischen