Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 14. Kriegsheft (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Jüdische Student 4C3 ben. Solche Lücken freilich gibt es noch viele, die der einzelne empfinden, aber nur eine zusammenarbeitende Gesamtheit mit den Kräften, die sie hat, mit den eigenen und fremden Erfahrungen, die sie sammelt, ausfüllen kann. Ich spreche gar nicht von dem Problem der Zusammenarbeit mit den Ostjuden, an der in Einzelfällen oft genug unsere Vereine gescheitert sind, an der im Rahmen eines zunächst lokalen Versuchs das von H.-C ern mitbegründete und tätig unterstützte Jüdische Volksheim jetzt praktische Erfahrungen sammelt, die aber zuviel Seiten hat, als daß sie hier mehr als problemhaft angedeutet werden kann; ich denke an die schwierige, oft erwähnte Mitarbeit im Barkochba und den Sport- und Turnvereinen, wo oft genug das Empfinden besteht, daß in organisatorischer und tendenziöser Hinsicht viel iehlt, was bei einer richtigen Verwendung unserer vielen brachgelegten Kräfte und Entlastung immer derselben Personen zu leisten möglich wäre — wenn eine wirklich zusammenfassende Arbeitsgemeinschaft Aufgaben sieht und zuweist und andererseits durch die Uebersicht über das reichlicher als man denkt vorhandene Mitarbeitermaterial die Menschen stellt, berät, verpflichtet,; ich denke an das Problem unserer Mädchenziehung, das, wie mir scheint, jetzt besonders akut geworden ist, wo in Nachahmung und Anlehnung an unsere männlichen Erziehungsmethoden oder in besonderen Formen der weibliche Nachwuchs über turnerische Betätigung hinaus sich stärker mit der Intensivierung jüdischer Arbeit an sich und für unsere Zukunft beschäftigt; ich denke an die Möglichkeit einer jüdischen Siedlung bei Berlin (ich spreche hier stets und vor allem von Berliner Verhältnissen, die am ausgeprägtesten und kompliziersten sind, aber fast alle Organisationsformen, wenn auch oft nur keimhaft, aufweisen, und übergehe solche Versuche wie den einst in Breslau gemachten mit dem „Verein der zionistischen Jugend"), die in Wohnung, Zusammenleben, landwirtschaftlicher Beschäftigung, körperlicher Ausbildung, geistiger Arbeit und vor allem im Versuch eines Gemeinschaftslebens künftige schöne Zeiten ahnen ließe und so ihre Verwirklichung vorbereitete; ich denke an die wirtschaftliche Beratungsstelle für Palästina, die unseren jungen Menschen zur Seite stände, die Akademiker und Kaufleute enger zusammenschlösse, denke an die Ergänzung, die doktrinäre Theorie und am Alltag geschulte Praxis hier finden würden; kurz es gibt Probleme und Aufgaben genug, ^ie einer solchen Arbeitsgemeinschaft harren würden. Jeder Tag bringt fast neue; jeder einzelne von uns spürt Lücken und hegt Wünsche, die zu bewältigen der einzelne zu schwach, die Gesamtheit leicht fähig ist. Die Form, in der sich die „Arbeitsgemeinschaft" aufbaut, kann die eines Vertreterausschusses, kann die einer Verwaltungsbehörde, kann die einer Zentralbehörde mit Direktive und Rechten ausgestattete sein, aber auch diese Frage nach der Form löst