Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 14. Kriegsheft (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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402 Der Jüdische Student werden würde, sondern sich unbeschadet der gemeinsamen Arbeit gut entwickeln würde. (Denn daß diese Sonderart und -interessen nie aufgegeben werden sollen, versteht sich für den von selbst, der den Wert einer Lebens- und Kampfgemeinschaft restlos bejaht.) — Voraussetzung ist freilich, daß man in unserer Bewegung nicht ein mechanisch aneinandergefügtes Aggregat von Personen und Verbänden sieht, sondern einen lebensfähigen weitausgreifenden und doch zusammenhängenden Organismus, ein Ganzes und eine Einheit, die mit ihren starken und doch dem Ganzen sich gern unterordnenden Einzelteilen ein Abbild unserer Zukunft ist, ein Judenstaat im kleinen, selbsttätig funktionierend im Golus und eine Hoffnung, mehr als das, eine Erfüllung von morgen, an der wir heute bereits unsere aufbauende Tätigkeit erproben können. Schreibt man unserer Jugendbewegung dies hohe Lebensziel zu und glaubt es erfüllbar, so wünscht man ihr und sich, daß sie wirklich ais ein geschlossenes Ganzes alle erreichbaren Schichten des jüdischen Volkes in ihren Vereinen und anderen Organisationsformen umfasse, nicht etwa bloß aus dem Typus des Bourgeois sich rekrutiere, sondern tief hineingreife in das unterirdisch drängende Leben der jüdischen Arbeiterschaft, die uns trotz ihrer reichlich in Berlin vorhandenen Vertreter so ganz unbekannt ist und deren Jugend, bis vor kurzem, vor der Gründung des jüdischen Volksheims, ganz unbeeinflußt von uns emporwuchs. Spannt man nach der Ausdehnung, Größe und Umfang das Ziel einer solchen Arbeitsgemeinschaft so weit, daß sie das Nebeneinander der vorhandenen Vereine in ein reges Miteinander des Interesses und der Arbeit bringt, so setze man sich auf der anderen Seite das Ziel einer umfassenden jüdischen Lebensgemeinschaft, die von frühester Kindheit an den Menschen in unser Denken einspanne, als Milieu und Atmosphäre, als Lebensform und Gesellschaft ihn reifer mache für Palästina — das man auf diese Weise im Golus vorbereite, widerspiegle, ohne es als Endziel dadurch überflüssig zu machen. Wer heute unsere Jugendbewegung betrachtet, sieht mit schmerzlichem Bedauern die Lücken, die fehlen und gerade das Leben der ersten Kindheit, wo hebräische Kindergärten erst allmählich sich verbreiten, und die Schulzeit so oft der jüdischen Einflüsse und Eindrücke berauben. Aus dieser Erkenntnis, die heute noch vielen als Grundlage und Grundproblem in den Erziehungsmängeln unserer und der künftigen Generationen erst eingehämmert werden muß, ei nen Willen zur Besserung und aus diesem Willen einen Weg zur Verwirklichung zu formen, das wäre eine Aufgabe dieser Arbeitsgemeinschaft der zionistischen Jugend; sie würde so rückwärts greifend und bis in die Anfänge sich senkend das wahre Fundament legen und die Lücken in dem Aufbau unserer Zukunft bloßlegen, zu ihrer Ausfüllung damit Anstoß und Richtung ge-