Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 14. Kriegsheft (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Jüdische Student 395 Aus den Berliner Verbindungen Yen Ernst P i n n e r (V. J. St. Maccabaea-Berlin utd Ruder-V. J. St. A. H.), z. Zt. aut Urlaub Wer von uns schon lange Zeit ununterbrochen im Felde steht, kann sich von den heutigen Vorgängen im K. J. V. kein rechtes Bild machen. Er hört Stimmen, die Neues wünschen und hört enegten Widerspruch. Er erkennt nur, daß Kräfte am Werk sind, die nicht unbedeutend sein können — so leidenschaftlich wird häufig die Diskussion. Eine Stellungnahme aber ist draußen fast unmöglich. Mir, dem es nach zweijährigem Kriegsdienst vergönnt war, für einige Monate nach Berlin zu kommen, erscheint es deshalb als Pflicht, darüber zu sprechen, wie sich mir hier das neue Verbindungsleben dargestellt hat. Zunächst etwas an die Adresse einiger Alter, die sich nie mit Neuem befreunden können: wer von uns war mit dem früheren Vereinsleben sehr zufrieden? Gewiß, ein besonders fähiger Chargierter konnte einem Semester seine persönliche Frische und Wärme geben. Aber in normalen Semestern sahen wir fast stets Schäden, für die wir manchmal die Organisation, manchmal den Inhalt unserer Arbeit verantwortlich machten. Auch wir haben oft genug nach neuen Formen und Inhalten gesucht. Wir haben also nicht das Recht, eine Entwicklung zu schelten, in die man uns einordnen kann. Auf dem Antrittskonvent überraschte der neuerwählte C. C durch ein bereits ausgearbeitetes detailliertes Arbeitsprogramm, dessen wichtigster Punkt Unterricht in der hebräischen Sprache war. Das Programm schien so reichhaltig, daß man an der Möglichkeit der Durchführung zweifeln durfte. Doch scheint die Organisation ganz gut gelungen zu sein. Einiges wurde zurückgestellt, z. B. das Erlernen der jüdischen Geschichte. Dafür entschädigt ein ausgezeichneter einstündiger kollegartiger Kursus. Kneipen finden selten statt, fehlen aber nicht vollständig. Es wird gefochten wie früher, die Fuxenstunden sind nicht wesentlich verändert. Mittelpunkt der ganzen Arbeit aber ist das Hebräische, das dreimal wöchentlich in zusammen vier Stunden unterrichtet wird. Leider fehlt fast vollständig irgendwelche sportliche Betätigung, wie man überhaupt wohl vergessen hat, daß die Erziehung zu einer straffen und sicheren Körperlichkeit für uns eine Lebensnotwendigkeit ist. Daran ist festzuhalten, obwohl es anderseits nicht zu tadeln ist, daß anstelle der üblichen gleichmäßigen Verteilung der zur Verfügung stehenden Zeit dem einen Erziehungsziel, hier dem Hebräischen, eine überragende Bedeutung eingeräumt wird. Wie weit die theoretischen Forderungen Blumenfelds auf xiie Art der Arbeit eingewirkt haben, ist schwer zu sagen.