Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 14. Kriegsheft (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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396 Der Jüdische Student Blumenfelds K. J. V.-Tags-Referat wird in seiner Bedeutung teilst über- und teils unterschätzt. Jedenfalls ist ihm dies gelungen : die nicht mehr neuen Forderungen nach Intensivierung des jüdischen» Lebens, nach Aneignung der hebräischen Sprache hat er theoretisch seinem eignen Programm eingegliedert, das da heißt „Einstellung des gesamten Lebens auf Palästina". Vom Standpunkt dieses Programms aus hat er Neues und Wichtiges gesagt. (Wer dieses Programm nicht billigt, dem konnte die Forderung des Lernens nicht neu, und die theoretische Leistung nicht wichtig erscheinen.) Was die Aktivitas anbetrifft, so lernt sie zurzeit das Hebräische mit größerem Eifer und hoffentlich' größerem Erfolg, als je eine frühere Generation. Es dürfte keinen im Kartell geben., welcher Richtung er auch angehört,, der dies tadelt. Bedenklich stimmt nur folgendesDie führenden Aktiven* sprechen es deutlich aus, daß sie jetzt endlich den wahren Weg gefunden haben,, ihr jüdisches Leben „wesenhafter" zu machen.. (Soweit hier Blumenfeldsche Ideen übernommen sind, scheinen sie mir mißverstanden.) Es ist notwendig, dauernd und eindringlich vor diesem Irrtum zu warnen. Eine Intensivierung des jüdischen Lebens,, soweit man diese Aufgabe zunächst im wesentlichen nur als Problem des I n*di viduu ms nimmt,, kann nur erreicht werden durch intensivstes Erfassen jüdischer Dinge, durch die Fähigkeit der Seele, die man als Erlebnis bezeichnet. Lernen, wie jede Anhäufung von Wissensstoff, mußvorausgehen* bringt aber keinen Schritt weiter. Das Lernen, verändert noch lange nicht unsre Artr bringt das Jüdische noch lange nicht unserm Wesen nähen Es sind nicht allzu viel Menschen — auch unter uns — intensiven Erlebens fähig. Die andern — dazu gehören, vielfach unsere fähigsten Politiker, unsre frischsten Persönlichkeiten — werden nicht weit kommenbei dem Versuch, ihren Nationalismus wesenhafter zu machen,, jedenfalls nicht auf dem Wege individueller Vertiefung. Für alle diese handelt es sich fast ausschließlich um eine Sozialfrage. Von der Menge gleichlebender und gleichgestimmter Menschen aus erwächst unbewußt für die Einzelnen der jüdische Lebensgehalt Eine solche Menge existiert für uns noch nicht. Aber es ist wohl der Sinn unsrer Generation, an ihrem Aufbau zu arbeiten. Wir werden sie nicht erreichen. Was in zwei Generationen vor uns eingerissen ist, braucht viele Generationen^ um neu zu erstehen^ Was wir tun können und müssen, ist das, unsern Kindern ein möglichst großes Kapital an jüdischen Inhalten, insbesondere auch hebräischen Kenntnissen, zu übergeben, damit sie damit wuchern und der nächsten Generation ein vergrößertes Kapital, übergeben. Nur wenn wir so in Bescheidenheit arbeiten, wenn wir uns einstellen in die Reihe der Generationen,, dem Bauern, vergleichbar arbeiten, der Bäume-