Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 14. Kriegsheft (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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394 Der Jüdische Student eine lose, nur Sammelzwecke verfolgende Organisation wie der Verband der deutschen Juden und der Gemeindeverein, wozu uns Marcus stempeln möchte; und auf dem Prinzip der Bundesbrüderlichkeit beruht unsere Geschlossenheit nach innen und unsere Kraft nach außen. Werden die, die dem Marcusschen Kreise angehören, sich nicht bescheiden, obgleich wir ihnen so weit entgegenkommen wollen und werden, und obgleich die Einheit der jüdischnationalen Studentenorganisation für die Erfüllung unserer gemeinsamen Arbeit erforderlich ist, werden sie trotzdem an die Gründung von Freischaren gehen, so wird der Kampf die unausbleibliche Folge sein. Das K.J. V. wird nicht ruhig zusehen können, wenn ihm wertvolle Keilfüxe, die ihm überdies wegen ihrer jüdischen Vorbildung und ihres national-jüdischen Empfindens die Arbeit an den andern wesentlich erleichtern können, entgehen. Es muß diese Zersplitterung für einen Luxus halten,, den wir uns noch nicht gestatten können, wollen wir unsere große, beinahe erst beginnende Aufgabe erfüllen. Das K. J. V. wird dies auch schon deswegen nicht kampflos hinnehmen können, weil die Freischar uns gerade die Füxe rauben würde, die an größeren Orten wohnen, an den Orten, an denen unsere Verbindungen bestehen. Und die Erfahrung hat es uns gelehrt, daß nur diese Bundesbrüder, die mehrere Semester lang und auch in den Ferien in den Verbindungen bleiben, eine konstante Tradition der einzelnen Korporationen entstehen lassen und eine gleichmäßige Arbeit gewährleisten. Wir müßten es uns dann angelegen sein lassen, neue Jugend- und Schülerorganisationen für den K.J. V.-Nachwuchs zu gründen; die mühselig durch unsere eigene Arbeit aufgebaute Organisation der Blau-Weiß-Bünde wäre gefährdet. Indessen wollen wir noch hoffen, daß die sicherlich wertvollen Bundesbrüder, die die Begründung von Freischaren außerhalb des K. J. V. ins Auge fassen — denn mit dem Gedanken des Verbleibens im K. V.J. spielen sie nur; wie wollen sie hoffen, mit nichtstudentischen und weiblichen Mitgliedern im Rahmen des K.J.V. tätig zu sein? —ihre Pläne aufgeben oder daß ihre Ansichten sich nur bei einem ganz kleinen Kreise von Bundesbrüdern durchsetzen. Wir wollen weiter hoffen, daß diese Bundesbrüder wenigstens vorläufig ihre schon destruktiv zu nennende Tätigkeit aufgeben — reden sie doch davon, daß sie einem B 1 a u - W e i ß - A b i t u r i e n t e n den Eintritt ins K.J.V. nicht raten können oder ihn sogar vor dem Eintritt warnen müssen! Die Entwicklung, die das K. J. V. in den nächsten Semestern, vor allem nach dem Kriege, nehmen wird, sichert es bis zu einem gewissen Grade, daß diese Hoffnung uns nicht trügt!