Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 14. Kriegsheft (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Jüdisöhe Student 393 Ein Sicfo-Fügen wird für die Extremen beider Richtungen ^notwendig sein. Diejenigen, die bei rein studentischen Formen ((im alten Sinne) verbleiben wollen und die um Joseph Marcus werden sich bescheiden müssen. Die Keiltätigkeit werden wir nicht aufgeben können — wollen wir bleiben, was wir sind, nämlich «die offizielle Vertretung des jüdisch-nationalen Gedankens in der jüdischen Akademikerschaft Deutschlands —, wir werden -deshalb die Keilkneipe und die unbedingte Satisfaktion nicht ohne weiteres abschaffen können. Wir werden auch weiterhin nur Studenten aufnehmen können; Frauen und Kaufleute im K. J.V. würden seinen bisherigen Charakter völlig verändern. Fügen sich die Extremen beider Richtungen nicht, — zu fürchten ist dies nur von denen um Marcus — dann haben sie in unseren Reihen nichts mehr zu suchen, dann kann ihnen aber auch der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß sie die formen d-e s Zusammenlebens über die gemeinsamen Ziele unserer Arbeit — die Nationalisierung des deutschen Judentums — setzen, daß sie über den Mitteln den Zweck vergessen. Unsere primäre, vor allem organisatorische Aufgabe ist noch nicht erfüllt, noch müssen wir unsere nationalpolitische Tätigkeit als die wichtigste bezeichnen. Das K. J.V. bedeutet im •deutschen Judentum quantitativ noch ebensowenig wie der Zionismus im Oesamtjudentum, und unsere Aufgaben sind im Kriege nur noch gewachsen. Nur durch geschlossenes Auftreten und Zusammenfassen aller uns als Menschen und Juden wertvoll erscheinenden Akademiker werden wir unserer Pflicht genügen. Eine „Schematisierung des Geistes" muß natürlich vermieden werden. Sie wird es schon heute durch die verschiedene Tradition der einzelnen Verbindungen, sie wird es noch mehr, wenn durch wissenschaftliche Arbeitskurse den mannigfaltigen Anschauungen Gelegenheit gegeben wird sich durchzusetzen. Eine — leider heute noch nicht bestehende — Toleranz abweichenden Ansichten gegenüber muß die unvermeidliche Folge sein. Man könnte es sich immerhin denken, daß an größeren •Orten, an denen die Möglichkeit besteht, mehrere Verbindungen .lebensfähig zu erhalten, Korporationen im Rahmen des K. J. V. entstehen, die noch mehr als die anderen den Forderungen von Marcus genügen. Auch diese aber dürften immer nur Akademiker zu Mitgliedern haben, und es müßte jedem Bundesbruder, der in unsern Reihen steht und der die Sehnsucht danach in sich spürt, möglich sein, in sie aufgenommen zu werden. Denn die im K. J. V. — trotz Marcus und aller möglichen Befugnisse des Präsidiums — bestehende Freizügigkeit unter unseren Verbindungen können wir uns nicht rauben lassen. Wir sind nun einmal ein Kreis von Bundesbrüdern und nicht