Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 14. Kriegsheft (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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390 Der Jüdische Student Setzung eines wesenhaften jüdischen Nationalismus hinstellt, völlig, vielleicht in noch größerem Umfange, als Blumenfeld sie hat, bekannt,, als ich zu studieren anfing. Und dennoch war ich weder Nationaljude noch Zionist. Denn das ist der Fundamentalirrtum Blumenfelds und seines Kreises, daß Kenntnisse die Oesinnung von Männern zu beeinflussen imstande seien. Gewiß, ich leugne nicht, man muß sie haben oder sie sich anzueignen trachten, aber man höre doch endlich damit auf, zu glauben, daß aus ihnen der Wille zur Bejahung des Judentums und die Kraft zur Gestaltung seiner Zukunft fließt. Wir werden -das Schicksal unseres Volkes niemals gestalten können mit Männern, die nur gelernt haben, zu theoretisieren, sich stets neue Grundlegungen für ihre Gesinnung und Anschauung zu schaffen. Dazu brauchen wir Männer, denen wir einen leidenschaftlichen Willen zur Tat eingehämmert haben. Die anderen bleiben Galuthjuden trotz Nationalismus und Zionsliebe. Ich habe ja davon auf dem K. J. V.er-Tag gesprochen: das was Blumenfeld einen wesenhaften Nationalismus nennt, das ewige Theoretisieren, geistige Werke schaffen wollen, die Grundlagen seiner Anschauungen in ewig währendem Zergliedern stetig sich erneuern wollen, das ist nichts weiter als eine neue Form des Pilpul und der talmudischen Rabulistik, das ist wieder einmal Galuthjudentum. Es ist doch schließlich dasselbe, ob man zur Grundlage seiner Diskussion die neununddreißig Haupt- und Nebenarbeiten, die am Sabbath nicht geleistet werden dürfen, oder ich greife irgend etwas heraus — „das Wesentliche des Deutschen und Jüdischen in uns" macht. Hier wie dort nichts anderes als die Freude am Gedankenblitz und am Wort, die Freude am Diskutieren selbst, die doch nur den Mangel an Fähigkeit zur Tat ersetzen muß. Und was erreichen wir in unserem Kreise damit? Ich rede nicht von den Alten Herren; die werden, wenn sie erst einmal den Galuthjuden in sich überwunden haben, an dem Spielen mit Worten — ich bitte das nicht als Beleidigung aufzufassen — niemals die rechte Freude haben und darum an unseren Tagungen stets nur einen bedingten Gefallen finden. Ich rede von unseren jungen Bundesbrüdern. Was habt Ihr aus ihnen gemacht! Blutleere Theoretiker, die sich durch nichts aus zeichnen als durch eine geistige Überheblichkeit, die alles wissen und alles besser wissen, für die es (außer Blumenfeld) keine Autorität mehr geben kann, weil ja doch der Maßstab ihres Urteils ihr alles begreifender Verstand ist. Ich sage geistige Überheblichlichkeit. Denn wie soll man es denn anders nennen, wenn sich ein junger Mensch wie Harry Cohn in seinem Rundschreiben der Hasmonaea beifallen läßt und es wagt, von der Richtung Zwirn, von uns Alten Herren zu verlangen, wir sollten „endlich einmal einsehen, daß die Grundlage für eine dauernde Mitarbeit im Kartell nur auf einem Mitleben in der Verbindung