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Der jüdische Student · 1917-03-01 · 14. Kriegsheft (März 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
14. Kriegsheft (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Der Jüdische Student 389 dender Gegner, in der die widerlichsten Mittel des politischen Kampfes erlaubt sind. Und Euch, Euch allein mache ich den Vorwurf, daß Ihr diese Zustände im Kartell durch Euren Mangel an Wohlwollen und herzlichen Gefühlen für jeden Bundesbruder herbeigeführt habt. Mir ist es durchaus begreiflich, daß die Entwicklung in unserem Kartell sich in dieser Weise vollzogen hat. Wenn in einem Kreise diejenigen zur Macht gelangen, die den Wert ihrer Genossen nach dem Grade ihrer Gesinnungsfestigkeit beurteilen und nicht mehr nach ihren allgemeinen menschlichen Qualitäten, dann muß es dazu kommen, daß Partei- und Gesinnungspäpste auftreten und es Verketzerung und daraus entstehende Feindschaft gibt. Ihr habt Euch nun den Parteipapst erwählt. Blumenfeld heißt er und was aus seinem Munde kommt, ist emmeth wejazziw Thora lemosche misinai. Ich will damit durchaus nicht sagen, daß ich nicht Respekt hätte vor dem ehrlichen Ringen Blumenfelds um jüdische Kenntnisse und jüdische Anschauungen. Ich habe ihn, wie ich überhaupt vor jedem ehrlichen Ringen um geistige Güter Respekt habe. Aber ich verbitte mir für meine Person ganz energisch, daß sich jemand als der Lehrmeister und unfehlbare Papst in judaicis et zionisticis im Kartell aufspielt, und ich verbitte mir, daß man Blumenfeld als den Inhaber aller jüdischen Erleuchtung vor uns hinstellt. Ich denke wirklich nur mit einem Lächeln an die sogenannten Offenbarungen, die uns das Referat über „wesenhaften Nationalismus41 enthüllte. Die Gemoro — es ist ja jetzt anscheinend modern geworden, seine Jüdischkeit durch Kenntnis der jüdischen Literatur zu erweisen — pflegt, wenn einer eine besonders scharfsinnige Entscheidung zu geben geglaubt hat, darauf mit der Frage zu antworten: „Ma chiddusch? Worin besteht das Neue?" So habe ich mich beim Anhören des Referates immer wieder gefragt: Ma chiddusch? Was erzählt er mir da? Daß die Bibel das jüdische Buch kaf exochen ist, ihre Erzählungen, Reden und Poesien konzentrierten jüdischen Nationalismus enthalten, daß man jüdische Geschichte mit großem Gewinn für seine jüdische Gesinnung studiert, daß man als Jude Hebräisch lernen und können muß, wenn man innerlich ganz dazu gehören will, daß in ein jüdisches Haus die alten jüdischen Formen hineingehören — wem erzählt Blumenfeld das? Mein alter Großvater hätte, wie ich, nach dem Anhören dieser Offenoarungen über wesenhaften Nationalismus, nur erstaunt den Kopf geschüttelt und gefragt: „Ma chiddusch? Wo ist das Neue?1' So wie Blumenfeld haben nämlich zu allen Zeiten wirkliche Juden ihr Judentum verstanden und betätigt und waren doch weder Nationaljuden noch Zionisten. Und wenn ich von mir in diesem Zusammenhange reden darf, mir waren die Erleuchtungen, die sich Blumenfeld mühsam jetzt als erwachsener und gereifter Mann erringt, mir waren die Kenntnisse, deren Aneignung Blumenfeld preist und als Voraus-

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