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Der jüdische Student · 1917-03-01 · 14. Kriegsheft (März 1917) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
14 (1917-1918)
Issue
14. Kriegsheft (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Der Jüdische Student 385 Richtlinien für die politische Arbeit des Kartells wie der Alten Herren anzugeben und auch die übrigen A. H.-Angelegenheiten zu behandeln hat. In diesem Ausschuss dürfen nicht nur Berliner, sondern müssen auch Bundesbrüder aus den übrigen Zentren Deutschlands, also aus Oberschlesien, Rheinland, Hamburg etc. sitzen. Technische Einzelheiten müssen sich regeln lassen. Dieser Ausschuß soll auch nicht nur für die jetzt maßgebende Gruppe, die Nußbaum als „die kleine Gruppe Radikalgesinnter" bezeichnet, Platz haben, sondern auch für Männer, die schon lange Jahre im jüdischen öffentlichen Leben stehen wie Heinrich Löwe, Klee, Zwirn, Zlocisti u.a. Es muß dies einmal ganz deutlich zum Ausdruck gebracht werden, zumal ja die gemachten Vorschläge nicht der Lust am Stunk, sondern der ernsten Sorge um die Zukunft des Kartells entspringen. Der unselige Zwiespalt in der Berliner Aitherrenschaft beruhte immer noch auf der längst veralteten Unterscheidung zwischen politischen und praktischen Zionisten und der daraus abgeleiteten verschiedenen Stellungnahme zur Gegenwartsarbeit. Es gibt heute keinen Zweifel mehr unter uns, daß diese Unterscheidungen nicht mehr berechtigt sind. Auch hinsichtlich der Golusarbeit hat sich in letzter Zeit eine bedeutende Annäherung der Standpunkte vollzogen. Ich verweise besonders auf die Ausführungen Salli Hirschs auf dem K.J.V.-Tag über die Arbeit unter den Ostjuden — dies ist auch Golusarbeit — sowie seine Aeußerungen gelegentlich der Palästinadebatte. Sie bedeutet — selbst wenn es auch jetzt noch nicht völlig zugegeben wird — eine Schwenkung nach dem andern Lager hin. Eine Verständigung ist also keineswegs ausgeschlossen. Zur Zeit wird zwar noch von Hirsch und Blumenfeld die Gemeindearbeit als unfruchtbar abgelehnt, aber die Möglichkeit besteht, daß auch hier in Zukunft ein Meinungswechsel eintritt. Gerade von uns in der Provinz müßte ein derartiger Wechsel begrüßt werden. Die Gründe hängen mit der zweiten Frage zusammen, die ich hier behandeln will. Wir hören jetzt wieder viel und von Seiten, von denen wir es nicht gewohnt waren, vom Jüdischerwerden reden. Ich kann mich einer Zeit erinnern — sie liegt nur drei bis vier Jahre zurück — da im Berliner V.J. St. und auch in anderen B.J.C.¬ Verbindungen lebhaft über die Verinnerlichung unseres jüdischen Bewußtseins gesprochen wurde. Damals wurde von den spöttisch als „Jüdischisten" bezeichneten Bundesbrüdern ein Anknüpfen an die Tradition, eine Rückkehr zur Bibel, zu altüberlieferten Bräuchen und Formen, die Feier der religiös^ nationalen Feste gefordert. Wenn ich heute lese, was Blumenfeld auf dem K. J. V.-Tag gesagt hat, so finde ich bei ihm eine erfreuliche Bekehrung zu diesem vor einigen Jahren noch so stark bekämpften Standpunkte. Von vielen Bundesbrüdern wird

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