Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 14 (1917-1918)
- Issue
- 14. Kriegsheft (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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384 Der Jüdische Student nach der künftigen Vertretung der Altherrenschaft sowie die der Vertiefung unseres jüdischen Bewußtseins waren. Es läßt sich nicht leugnen, daß in den letzten Jahren im unseren Kreisen, besonders in denen der älteren Bundesbrüder ein tiefes Gefühl der Unzufriedenheit mit der politischen Arbeit unseres Kartells Platz gegriffen hat. Das Kartell hat sich im Laufe der Zeit zu einer politischen Körperschaft entwickelt, eine Entwickelung, die in der Fusion ihre Krönung gefunden hat und äußerlich auch in der Personalunion zwischenunseren leitenden Geistern und Funktionären der zionistischen Organisation (und in der letzten Zeit auch der Verlegung unserer Präsidialgeschäftsräume nach der Sächsischen Straße) in Erscheinung getreten ist. Wir sind heute unbestritten für den> Zionismus das, was auf der Gegenseite für den Zentralverein, der K. C. darstellt. Dagegen entspricht die Stellung unseres Kartells im öffentlichen Leben bei weitem nicht der, die unser Gegenpol innehat. Das Kartell als solches ist bislang nie sonderlich hervorgetreten, obgleich öfters schon Gelegenheit und Notwendigkeit bestanden hätte, das Wort eines Verbands von tausend Akademikern in die Wagschale zu werfen. Die Gründe hierfür sind teilweise in den bis kurz vor Kriegsausbruch unter der Berliner Altherrenschaft herrschenden Meinungsverschiedenheiten zu suchen, zum andern Teil aber auch darin, daß die Leitung des Kartells in ihrer bisherigen Form und nach ihrer Zusammensetzung aus Inaktiven und jüngeren A. H. nicht geeignet war, die politische Leitung zu übernehmen. Wenn A. Irl- Robert Nußbaum auf dem K. J. V.-Tag gesagt hat, das Prär sidium habe es verstanden, sich aus einer Verwaltungseinrichtung zur obersten Behörde des Kartells umzuwandeln, und dies als schädlich hingestellt hat, so kann dem nur beigepflichtet werden. Unser Bund ist jetzt so groß geworden und verfügt vor allem über eine derart starke Altherrenschaft, daß dieser nicht mehr zugemutet werden kann, sich in politischen Dingen — deren. Beurteilung eine gewisse Lebenserfahrung und Reife erfordert — ihre Wegrichtung von einem Präsidium von jüngeren Bundesbrüdern vorschreiben zu lassen, auf dessen Zusammensetzung sie überdies keinen Einfluß hat. Dazu kommt als weiteres verhängnisvolles Moment, daß bisher von Seiten des Präsidiums zur Beurteilung aller Verhältnisse — sowohl in der Arbeit des Kartells, der Alten Herren, sowie der allgemeinen jüdischen. Arbeit — immer der Berliner Maßstab angelegt wurde. Die Provinz wurde entweder als quantite negligeable behandelt, oder aber es wurde angenommen, daß Berliner Verhältnisse ohne weiteres auch für sie anwendbar seien. Hierin muß endlich einmal Wandel geschaffen werden. Die Forderung muß aufgestellt werden, neben oder über dem. Präsidium einen Ausschuß von Alten Herren zu schaffen, der die