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Der jüdische Student · 1917-01-01 · Sommer-Semester (1917) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
Sommer-Semester (1917)
Date
1917-01-01
Page
[Seite] (sequence 37)
Language
German
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Der Jüdische Student 35 Ehre, Freiheit und Selbständigkeit. In gesteigertem Maße werden wir für das bedrohte Vaterland durch Not und Tod unsere Pflicht tun. Für sein Wohl wirken und wachen auch unsere Logen. Von diesem Geiste sollen unsere Verhandlungen und Taten beherrscht werden. Groß löge für Deutschland VIII U. O. B. B. Ti mendorfer Goldschmidt Präsident. Sekretär. IV. Eine zionistische Stimme J u d e n z ä h 1 u n g vor V e r d u n Von Arnold Zweig Um Mitternacht rührte mich eine leise Hand an. „Steh auf'4. Ich trat vor die Tür der schweigenden Schlafbaracke und sah: Azrael, Cherub der über Tote gebietet, stürzte vom Nachtfirmamente herab, rachegeflügelter Zorn, stieß ins Horn Schofar und schrie: „Auf zur Zählung, ihr toten Juden im deutschen Heer!" Es verging keine Zeit, da wimmelte das Feld von leisen Gestalten bis an die gebogenen Hügel, hinter denen brüllte die Esse Verdun, neu angefacht, und ihre kleineren Essen brüllten laut; Flammen schlugen furchtbar auf, zuckend zerbrach am Horizont des Geschützes die wehklagende Nacht. Der Wind flog vom Orion her, dem strahlenden Zeichen des Mannes, den Mond an, der schwach über den Höhen hing in trüben Schleiern. Raunen bebte übers Gelände, düstrer Schein umwitterte Tausende. Ein Tisch stand, aufgeschlagen ein großes Buch, ein Schreiber saß in Montur dahinter, spitznäsig mit gelbem Schopf, Er rief : „Antreten dem Range nach! Die Totenstammrolle ist anzuerkennen!'' Da sagte ein milde Stimme: „Oh warum laßt ihr uns nicht schlafen, da wir schon lagen in der Erde Arm ruhevoll!"4 Und der Schreiber: „Die Statistik fragt, wieviel von euch Juden sich vom fernem Krieg gedrückt ins Grab!" Stöhnen stieg auf vom Gelände, als klagte der Boden, und die Stimme rief schmerzlich: „Großes Vaterland, ich gedachte für dich zu sterben und zu ruhn!** Aber ein Wirbel bewegte die Toten, sie standen am Tische einer nach dem andern, Hauptleute und Stabsärzte zuvor und Leutnants und Aerzte, Feldwebel und Wachtmeister, Unteroffiziere, Gefreite, Gemeine. Und eine dürre? Feder gab der Schreiber in jede Hand, sie floß wie ein geritzter Finger, seinen hebräischen Namen schrieb ein jeder in kleinen roten Lettern, die leuchteten wie quadratische Siegel. Da standen die Leichname geduldig und warteten, und wer geschrieben, der legte schweigend die Abzeichen auf den Tisch, die er trug, und trat zurück, einer in der Menge. Da lagen die dicken Achselstücke der Stabsärzte und die silbernen der Offiziere, Portepees wie silberne Eier, die Tressen der Unteroffiziere, die kleinen Aeskulapstäbe, die großen Knöpfe der Gefreiten-; die Eisernen Kreuze der Ersten Klasse und wie viele der Zweiten, andere Kreuze und Medaillen, schwarzweiße Bänder und Bänder in allerlei Farben. Der Haufen schwoll aber auf dem Tische.

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