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Der jüdische Student · 1917-01-01 · Sommer-Semester (1917) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
Sommer-Semester (1917)
Date
1917-01-01
Page
[Seite] (sequence 35)
Language
German
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Der Jüdische Student 33 und ohne Anteil an den Fortschritten der Menschheit ist das jüdische Volk zerstreut durch die Lande und in der Wurzel seiner Existenz gefährdet. Vierzehn Millionen stark, so groß wie die fünf Völker des Balkans zusammen, die seit Jahrzehnten die Welt in Atem halten, vermag unser Volk nicht eigenen Zielen zu leben und eigene Wege zu wandeln. Und doch haben uns die letzten Jahre weiter gebracht, als achtzehn Jahrhunderte davor. Wir wissen, was uns fehlt: ein eigenes Land, die Möglichkeit einos eigenen Kultur- und Wirtschaftslebens, und wir kennen den Weg, der zum Ziele führt: im Bewußtsein des nationalen Charakters unserer Gemeinschaft zurückzukehren in das Land unserer Väter. Die großen Judenmassen des Ostens haben heute erkannt, wo unser Heil liegt. Niemand wird sie hindern können, zusammenzugehen und der Welt das grandiose Beispiel zu geben, daß auch das jüdische Volk nach so langem Schlummer wieder erwacht ist und, straff organisiert und zielbewußt, seine Forderungen stellen und, wenn es sein muß, für sie kämpfen will. Und das deutsche Judentum? Wir hoffen, daß es seinen Brüdern nicht nachstehen wird. Wir sind überzeugt, daß vor allem die jüdischen Akademiker Deutschlands sich der großen Verantwortung bewußt sein werden, die auf ihnen ruht. An ihnen ist es, die Organisation des deutschen Judentums mitbauen zu helfen, die mit dem nationalen Ziel vor Augen sich vereinigen wird mit den Judenschaften der anderen Länder, um auch uns einen Platz an der Sonne zu sichern, einen Platz, an dem das Judentum wieder schöpferisch werden kann wie in alten Tagen. Wenn unsere Bundesbrüder an freien Tagen hinausziehen, um wandernd den Staub der Großstadt zu vergessen, dann pflegen sie das schöne Lied zu singen, darin es heißt: „Auch uns gehört die Erde." Ja, auch uns gehört sie; nicht nur, weil auch wir wieder gelernt haben, Freude an der Natur zu empfinden, sondern weil wir gewillt sind, dem Judentum jenes höchste Glück zu erringen, welches heißt: Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn!

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