Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- Sommer-Semester (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Der Jüdische Student beileibe niemand erfahren. Als vor wenigen Wochen eine Broschüre von Binjämin Segel erschien: „Der Weltkrieg und das Schicksal des jüdischen Volkes", da wurde auf die Intervention israelitischer „Größen" hin der Titel der schon erschienenen Schrift in folgender Weise geändert: „Der Weltkrieg und das Schicksal der Juden". Dieser „kluge Schachzug" kennzeichnet die Methode des Kampfes gegen den Antisemitismus. Wie kann jemand die Stirn haben, sich1 über Verachtung zu beklagen, der sich selbst so verächtlich ist, daß er seinen Namen und sein Volk verleugnet! Wen will man übrigens täuschen? Sogar die Selbsttäuschung dürfte nur den Dümmsten gelingen. Die Wirklichkeit unserer jüdischen Sonderart ist der wahre Grund des Antisemitismus. Der Antisemitismus ist ein Zeichen dafür, daß wir noch immer eine wirkende Gemeinschaft sind. Unsere Sonderart wird von den anderen empfunden. Somit gibt es auch nur eine Form des Kampfes gegen den Antisemitismus : uns denen, die uns hassen und verachten, mit unserer jüdischen Eigenart entgegenstellen. Bitte um Schonung wird uns hoch verächtlicher machen. Die Garantie, daß man uns in unserer Würde nicht antastet, können nur wir uns durch leidenschaftliches Betonen unserer jüdischen Persönlichkeit schaffen. Auch im Kampfe gegen den Antisemitismus haben wir die große Lehre des Krieges zu beherzigen, daß es nur darauf ankommt, sich durchzusetzen. Das siegende Deutschland wird von niemand in Zukunft ein Barbarenland genannt werden. Das beste Argument gegen alle Verleumdungen sind die aus innerer unbesiegbarer Kraft geborenen Erfqlge. Also gibt es gegen den Antisemitismus nur eine Waffe, das Judentum selbst. In dieser Waffe müssen wir Meister werden, mit ihr bewehrt, vermessen wir uns, sogar des jüdischen Antisemitismus Herr zu werden. Zur Liebe kann man Niemand zwingen, am wenigsten durch Bitten und Entschuldigungen, aber Respekt kann der Mutige, Selbstsichere jedem andern abzwingen. Wir Zionisten können täglich feststellen, daß wir uns, gerade weil wir mit jüdischer Offenheit den anderen gegenübertreten, aufrichtige Freunde erwerben und dem jüdischen Namen Achtung verschaffen. Tief deutsch empfindende Männer fühlen, daß wir die ersten Juden sind, mit denen sie aufrichtig und männlich sprechen können. Die wahre Achtung für unsere Gemeinschaft werden wir uns allerdings erst dann erringen können, wenn wir wiederum zu eigener Leistung gelangen. Der Schaffende kann gehaßt, aber niemals verachtet werden. Das Zusammenfassen aller jüdischen Kräfte zur großen Tat des neuen jüdischen Lebens in Palästina, an dessen Glanz und lebendigem Schaffen ein jeder Jude sein Teil hat, das bedeutet die Ueberwindung der furchtbaren Verachtung der Jahrtausende.