Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- Sommer-Semester (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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' Der Jüdische Student 19 schon vor dem Kriege durch die Tatsache der Judenfeindschaft bestimmt wurde. Die frohe Selbstsicherheit, die im Kriege, wie niemals sonst, im Menschen entstehen kann, wird Jenen durch das peinliche Gefühl zerstört, daß die anderen das Verhalten, der Juden lauernd beobachten. Alles müsse der Jude tun, um die Behauptungen der Antisemiten zu widerlegen. Der Jude sei feige — in dieser Meinung liege ein Grund des Antisemitismus!. Also müssen die Juden „mehr als ihre Pflicht tun", wie es in einem Aufruf hieß, und durch dieses durch apologetische Tendenzen erhöhte Pflichtgefühl den Beweis für die Grundlosigkeit des Antisemitismus erbringen. Die Juden seien eine internationale Gesellschaft. Die Behauptung von der Internationalität der Juden gehöre zu den Gründen des Antisemitismus. Also müssen die Zusammenhänge zwischen deutschen und nichtdeutschen Juden geleugnet oder wenigstens abgeschwächt werden. In einem' Heft der K. C.-Blätter findet sich bei der Besprechung der „Kriegsbriefe deutscher und österreichischer Juden" folgende kennzeichnende Stelle: ". . . es sei nur noch ein Wort über das Verhältnis der jüdischen Soldaten zu den jüdischen Einwohnern des okkupierten Feindesgebietes gestattet, das unsere Antisemiten, so klar ihre Böswilligkeit hierbei auch zutage treten würde, als Fraternisieren mit dem Feinde und als Zeichen der Internationalität des Judentums auszulegen sich nicht entgehen lassen werden. Der unbefangene Beobachter dieser Briefe wird es jedoch nur als natürlich empfinden, daß in den russisch-polnischen Landesteilen — um diese handelt es sich durchweg — die meist streng religiöse jüdische Bevölkerung, die, unter amtlicher Förderung der deutschen und österreichischen Heeresleitung, die einrückenden Deutschen und Oesterreicher nicht als Feinde, sondern als Befreier von dem schmachvollen russischen Joch begrüßt, nun die jüdischen Soldaten unter ihnen besonders liebevoll aufnimmt; befrachtet doch der orthodoxe Jude es geradezu als ein Gott wohlgefälliges Werk, seinen fern der Heimat weilenden Glaubensgenossen, besonders an den Feiertagen, durch Gewährung der Gastfreundschaft die Innehaltung der Religionsvorschriften zu ermöglichen. Daß dann unseren wackeren Feldgrauen, jüdischen Glaubens, besonders soweit sie selbst noch orthodox gesinnt oder erzogen sind, diese gastliche, von Herzen kommende Aufnähme mitten in Feindesland ein Stück heimatlichen Herdes zu bereiten scheint, ist eine so natürliche und harmlose Erscheinung, daß es keiner weiteren Verwahrung (!) bedarf." Während die jüdischen Zusammenhänge ängstlich entschuldigt werden, fürchtet man doch, daß sogar aus der politischen Haltung der außerhalb" Deutschlands lebenden Juden dem deutschen Judentum von Antisemiten ein Vorwurf gemacht werden könne, und so wird der krampfhafte Versuch gemächt, den Nach-