Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- Sommer-Semester (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Der Jüdische Student Judentum innerlich vereint ist, fallen alle Krankheitserscheinungen, die wir oben festgestellt haben, und das Judentum wird dem Kind ein Erlebnis. Nur eine Idee ist es, die hier überhaupt in Betracht kommt, die nationale' Idee. Sie allein ist mit dem Judentum so innig verknüpft, daß sie bei diesem das A und O bildet. Zu gleicher Zeit ist ihr Schwung so stark, daß sie jedes lebendige Herz ergreifen muß. In der einzigen Gegend, wo es heute überhaupt noch ein lebendiges Judentum gibt, im Osten Europas (mit seinen Dependenzen in London und New-York) sehen wir diese These voll und ganz bestätigt. Dort hat die jüdische Religion von ihrem nationalen Charakter nichts verloren, und ebensowenig hat das Gros der osteuropäischen Juden sein Volljudentum' verloren., So bleibt denn der orthodoxen Judenheit Deutschlands diese Aufgabe: ihr Judentum zu nationalisieren. Uns Nationalljuden liegt es ob, der Orthodoxie diese ihre Pflicht zu predigen. Von dem Erfolg dieser Propagandaarbeit wird es abhängen, ob die orthodoxe Judenschaft Deutschlands an der Renaissance des Gesamtjudentums teilnehmen oder ob sie ebenso verloren gehen wird, wie ein Teil der Assimilationsjuden. Antisemitismus Von Kurt Blumenfeld (V. J. St. Maccabaea-Königsberg A. H.)t. z. Zt. Dan zig *) Seit Beginn des Krieges wird in weiten jüdischen Kreisei* leise, aber eindringlich die Frage diskutiert, welchen Einfluß der Krieg auf den Antisemitismus haben wird. Anfangs hörte man nur optimistische Meinungen. Zahlreiche Judett haben das Eiserne Kreuz erhalten, einige Dutzend sind zu Reserveoffizieren befördert worden, und diese Tatsachen müssen doch zusammen mit dem überall bewiesenen Patriotismus der Juden ausreichen, dem Antisemitismus in Deutschland den Boden zu entziehen. Trotzdem aber inzwischen noch weit mehr jüdische Soldaten Inhaber des Eisernen Kreuzes geworden sind und es heute 150 jüdische Reserveoffiziere geben soll, ist die Stimmung zurzeit weniger hoffnungsfroh und die Optimisten der ersten Kriegsmonate sprechen vielfach die Befürchtung aus, daß nach1 dem Kriege der Antisemitismus weiterleben und noch stärker sein wird als vorher. Die Angst vor dem Antisemitismus ist groß, sie ist auch während des Krieges die beherrschende Macht des jüdischen. Lebens aller der Kreise geblieben, deren jüdische Betätigung auch *) Dieser Artikel erschien am 23. Juli 1915 in der „Jüdischen Rtadschau".