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Der jüdische Student · 1917-01-01 · Sommer-Semester (1917) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
Sommer-Semester (1917)
Date
1917-01-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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12 Der Jüdische Student abgewinnen kann. So sehr ich auch* von~ dem Eindruck des jüdischen Lebens in B. begeistert und im innersten ergriffen War, kann ach dennoch in dieser Form der Jüdischkeit keine Gewäh'r für den Bestand des Judentums sehen. All da$ selbstverständliche Nationaljudentum nützt nichts, wenn es sich nicht erhält. Und es wird sich nicht erhalten, wenn es nicht ein bewußtes Nationaljudentum mit dem Blick nach Zion wird. Denn ohne diese zionistische Färbung wird sich das Ostjudentum der jungen Generation in einem so dogmatisch-religiösen und engherzig-zierenK> niellen Gewände zeigen, daß sie mangels weiterschauender Kritik es ganz von sich weisen und, wenn die Emanzipation kommt, noch schneller und begeisterter als es im "Westen geschah mit fliegenden Fahnen in das andere Laiger übergehen wird. Daß wir die traditionelle Gebundenheit des jüdischen Lebens zur 'Erhaltung des Judentums brauchen, steht für mich ebenso außer Zweifel wie die Notwendigkeit, die Tradition des dogmatischen Gewandes zu entkleiden und sie als nationales Erziehungsmittel zu üben und zu werten. Der Talmud sagt: „Nicht nur das Geschlecht des Sinai ist auf die Gesetze Moses verpflichtet worden, sondern es ist, als ob nicht nur unsiere Väter isondern wir alle am Sinai gestanden hätten." Was dieses Wort voraussetzt, ist die gleiche jüdische Seelenstimmung, die jenes Geschlecht der Wüstenwanderung beherrschte wie sie noch die Gesdilechter einer späten jüdischen Zukunft erfüllen soll, das1 gleiche jüdische Wollen, das sich in stetiger Folge auf dem Wege des Blutes und in gleichgerichteter straffer traditioneller Erziehung erhalten hat. Diese Stimmung schafft uns kein Konvent, der noch so reich ist an Diskussionen über jüdische Probleme, und keine Kneipe, auf der noch so viele und noch so schöne jüdische Lieder gesungen werden, sondern lediglich die Vertiefung in die Schriften des alten und modernen Judentums. Denn Bibel und Lebensformen waren der Maßstab, an denen die Juden aller Zeiten ihre Empfindungen und Ideen korrigierten, und zugleich der Ort, wohin sie mit ihrem iWeinen und ihrer Freude flüchteten; das praktische Judentum, die Tradition, ist aber letzten Endes auch nichts anderes als die Auswirkung der jüdischen Volksseele. Darum sei auch' unsre Parole: Hebräisch, Hebräisch und noch einmal Hebräisch! Efann haben wir die kritische Linie für das, was wir als jüdisch anzunehmen und als unjüdisch abzuweisen haben; dann werden wir meines Erachtens in unserrn Judentum selbstverständlicher werden und der Mangel an Befriedigung, der Zweifel an der Richtigkeit unsres Judentums wird schwinden, der schließlich der Grund dafür ■ist, daß wir unser Judentum nicht als' wesenhaft genug empfinden. Wesentlicher jedoch als für uns ist es meiner Meinung nach, jene jungen Juden des Ostens über die nationalen Werte der Tradition aufzuklären und ihnen ihr Judentum zu erhalten. Nur wenige Menschen vermögen einen Lebenssinn darin zu sehen, nur

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