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Der jüdische Student · 1917-01-01 · Sommer-Semester (1917) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
Sommer-Semester (1917)
Date
1917-01-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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8 Der Jüdische Student Unsere Aufgabe wächst ins Unermeßliche; größer steht sie vor dem Manne als vor dem Jüngling. Körperliche und moralische Erziehung und Selbsterziehung, Politik, künstlerisches, und geistiges Leben umfaßt sie mit gleicher Notwendigkeit. Das K. J. V. ist ein Keim, ein wichtiger, der neuen jüdischen Gesellschaft, die sich bildet, des natürlichen Zusammenschlusses aller Kreise die noch jüdisch empfinden, gegenüber allen die der Assimilation, der Zersetzung, dem Verfall das Wort reden. Die Scheidung im Judentum, die wir stets empfanden, wird der Krieg offenbar machen. Dem jüdischen Abfall gegenüber organisiert sich das jüdische Volk. Eine Kerntruppe in seinem Lager ist das K. J. V. Wie ich K.J. V.-er wurde Von Otto Kahn (V. J. St., Heidelberg), im Felde Als ich im Herbst 1913 die Universität Heidelberg bezogt Hatte ich nicht im geringsten die Absicht, in irgend eine Verbindung einizutreten. Mit den Ideen der freien Studentenschaft, den Bestrebungen Gustav AVynekens und der Bewegung des Wandervogteis sympathisierend — Wiewohl ich den antisemitischen Einschlag beäsonders in den beiden letzteren nicht verkannte —, war ich davon überzeugt, daß jene farbengebenden, schlagenden, den Kömmteint zum Gesetz ihres Handelns erklärenden Vereinigungen, die in den Augen des Backfischs der deutschien Kleinstadt den jungen akademischen Bürger erst zum imponierenden Vollstudenten stempeln, überlebte Einrichtungen des akademischen Lebens seien, leere Formen ohne Inhalt, dazu verurteilt in unserer sozial orientierten Zeit an Blutarmut langsam, aber sicher dahin zu siechen. Immerhin hatte ich mir vorgenommen, die Dinge an mich herantreten zu lassen. Und sie traten alsbald an mich heran. Zwar die Burschenschaftern, Landsmannschaften, Turnerschaften, Sängersthaften ließen mich ungeschoren — denn mein Name schließt jeden Zweifel an meiner orientalischen Herkunft aus. Aber eines schönen Tages stellten zwei Vertreter einer paritätischen Verbindung isich bei mir ein, deren mit diesem Versuch eingeleitete Keilversuche jedoch am Ende vergeblich blieben. Das Verdienst oder — Wenn main iwill — die Schuld an diesem negativen Erfolg ist einem V. J. St.^er zuzubilligen, den der Zufall mir zum Zimmernachbarn gesellt hatte.

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