Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 13. Kriegsheft (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 369 gegenseitige Wertschätzung, vor der persönliche Gegensätze weichen. Aus der wissenschaftlichen Arbeit folgt Toleranz abweichenden Ansichten gegenüber. Die Mannigfaltigkeit der Anschauungen ist eine Bereicherung für alle und ein Mittel gegen Schematisierung des Geistes und damit des jüdischen Lebens. 8. Das Präsidium des K J. V. ist die Regierang eines kleinen, wohldisziplin erten Truppenkörpers geworden. Zwar geht der Gehorsam kaum über die jeweilige Aktivitas hinaus, aber diese würde, wenn es das Präsidium verlangte, zu den Waffen greifen und für Juda ihr Leben hingeben. Schon die Inaktivitas und 90 % der Alten Herren würden jedem Befehl gegenüber versagen. Die Diaspora ist zu mächtig. Obwohl der Nimbus des Präsidiums in einer unter Juden unerreichten*) und an sich erfreulichen Höhe dasteht, genügt er doch nicht, die Alten Herren in den kleinen Städten aufzurütteln. Zuweilen findet man daher, daß Füxe und Burschen über unsere Alten Herren lächeln. Andererseits kann man auch finden, daß der Respekt vor dem höheren Rang Füxe oft vor Alten Herren stumm macht. Aus diesen Verhältnissen entsteht eine geistige Beklommenheit, die den andern immer als einen Ignoranten, einen Dummkopf oder einen schlechteren Zionisten oder schlechteren Bundesbruder brandmarkt. Unendlich viel geistige Beweglichkeit wird so unterdrückt (Vgl. Abs. 9). Die Freischar hat keine unabhängige oberste Instanz. Jede Schar ist in sich selbständig. Sie kann nur einen gemeinsamen Arbtitsaussihuß haben, der u. a. den Bund nach außen vertritt und nach innen in gemeinsamen Fragen und Arbeiten leitet. Die Zeitung der Freischar wird von einem Unabhängigen herausgegeben, ohne Parteirichtung oder festgelegte Tendenz. Ich denke an den Bar Kochba in Prag. Dieser Studentenverein gibt die „Selbstwehr" seit Jahren heraus, und hat eine Sammlung wie die ,,Vom Judentum" zustande gebracht. Kann ein V.J. St. dem etwas an die Seite stellen? Und die Prager Zionisten sind nicht die schlechtesten. Im Gegenteil. Ich glaube, der Prager Typus inklusive oder exklusive Max Brod, Robert Weitsch, Hans Kohn usw. konnte nur so geistig werden, weil er eine Heimstätte im Bar Kochba hatte, der seine Mitglieder ganz individuell arbeiten ließ. 9. Das K J- V. war so unproduktiv, daß es seine Liederbücher von der Turnerschaft und Blau- Weiß herholen mußte. Ebenso unproduktiv aber auch unjüdisch war seine Geselligkeit. Es gab geistreicne Bieropern, man hatte stilvolle Kneipen undStifiungsfeste, aber man war tür andre gesellig, nicht für sich. Die Wociienkneipen sind die unangenenmsten Erinnerungen meiner Studentenzeit. Die treischar kennt die Geselligkeit nicht. Ihre Feste finden im Freien statt, möglichst ohne Gäste. Sie sollen der eigenen V / D. Red.