Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 13. Kriegsheft (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 3ö7 Leistung liegt ebenso in den ungünstigen Verhältnissen wie in der ungenügenden Erziehungsmethode. Während die Verhältnisse noch lange sich gleich bleiben, eher noch schwieriger werden dürften, besteht dennoch die Möglichkeit, die Erziehungsmethode zu verbessern, wenn sich auch eine fünfzehnjährige Tradition nicht auf einmal umstoßen läßt. Im einzelnen handelt es sich um folgendes: 1. Das KJ* V. muß versuchen, alle moralisch brauchbaren judischen Studenten zu sammeln. Wenn das K.J. V. sich mit den Blau Weiß-Füxen begnügte oder wählerisch sein wollte, wo sollten die nicht aufgenommenen Studiosi sonst zum Zionismus erzogen werden? Es ist gerade jetzt, wo das K.J.V. die einzige national-jüdische Korporation darstellt und im Kampfe gegen den K. C. allein steht, mehr als trüher seine Pflicht, keinen Akademiker der nationalen Erziehung entgehen, dem K. C oder den anderen assim»Iantischen Korporationen zukommen zu lassen. Der Personenkreis muß demnach so groß wie möglich sein, und nur aus Akademikern bestehen. Die Blau-Weiß-Scharen wollen nur einen kleinen Teil der Studenten erziehen, die ihre Lebensart zusammenführt Da dabei auf den Menschen mehr Wert gelegt wird als auf die vorübergehende Studententumszeit, nimmt die Freischar auch (Frauen? und) Nichtstudenten auf, soweit sie die gleiche Bildungs- und Erziehungsgrundlage mitbringen und in den Gedanken- und Oefühlskreis der Freischar hineinpassen. Ihre Gegner werden mehr die jüdischen Freistudenten und Freideutschen sein. 2. Das KJ. V. muß daher dauernd werben. Die Mitarbeit muß sich vor allem auf die vielen Abiturienten der kleinen Städte beziehen, weil die Jungen der kleinen Städte meist viel jüdischer erzogen sind als die Großstädter und daher eher dem Zionismus zugeführt werden können. Damit die Keilarbeit überall schon in den oberen Schu klassen beginnen kann, müssen die A.H. Mittelpunkte für die Schüler bilden, was besonders in den kleinen Städten möglich ist, wie BiW.-Führer es zeigen. . Die Freischar verjüngt und vergrößert sich durch langsames Hineinwachsen weniger neuer Elemente, die meist aus dem Blau- Weiß kommen werden, oder im Wandervogel oder ähnlichen Kreisen aufgewachsen sind. Eigentliche Keilarbeit ist verpönt. 3. Das KJ- Vmuß zum Zwecke der Keilarbeit in Konkurrenz treten zu allen anderen Verbindungen. Es wird — wie es auch bisher getan hat — dem Keilfuxen auf Keilkneipen oder ähnlichen Veranstaltungen, durch Mitnehmen zu Mensuren, durch studentisches Auftreten zu zeigen versuchen, daß er mindestens dieselben Studentenfreuden im K.J. V. haben kann wie in den anderen Verbindungen. 9