Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 13. Kriegsheft (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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364 Der jüdische Student fürchtung, daß die deutschen Seiten unseres Wesens verkümmern könnten. Die halte ich für so stark, daß sie sich auch bewußter Vernachlässigung zum Trotz lebendig erhalten würden. Auch unsere jüdische Persönlichkeit könnte Treibhausgewächs werden mit kunstvollen, aber kurzlebigen Blüten, deren Ansätze ich gerade bei den Verfechtern des jüdischen Gemeinschaftlebens schon wahrnehmen zu müssen glaube. Jedes Gemeinschaftsleben entwickelt seine Probleme in desto engeren Kreisen, je geringer die Berührung mit fremden Gemeinschaften ist. Bald gibt das Leben nicht mehr die Probleme, sondern das Problem wird zum Leben. An die Stelle der Tat iritt unpraktisches Sinnieren, dessen Gegenstand die Gedankenarbeit nicht mehr lohnt und sie zum selbstgefälligen Eigenzweck macht. Die Formel töfet das Leben; der Geist, der es befruchten soll, wird zum Krankheitskeim. Ich sehe den Anfang und fürchte das Ende! — Also noch einmal: die Korporation, der Freundeskreis, die Ehe — mit Blumenfeld auch meine jüdische Heimat. Aber an ihren Grenzen stehen keine Drahtverhaue, und die zahlreichen Straßen ins Ausland sollen auch uns zu ihren Passanten zählen,, auf denen wir keineswegs Jüdischkeit als Wegegeld zu zahlen haben, sondern die uns in jüdisches Neuland führen, das unserem Reiche zinspflichtig werden kann. Nicht den zionistischen Einsiedler, den zionistischen Weltpolitiker wollen wir schaffen. , K. J. V, und jüdische Freischar Von Joseph Marcus (V. J. K. Breslau A. H.), in Heere Während alle die Fusion als ein hervorragendes Werk ansehen, sehe ich in ihr eine Verarmung des zionistischen, Lebens. Die Schematisierung, die Bürokratisierung greifen um sich im Zionismus. Früher gab es einen B. J. C, in dem eine langsame Entwicklung den Studenten zum Zionismus führte. Die Mittel der Frziehung waren schlecht. Statt nun zu natürlichen Mitteln zu kommen, ließ man sich zur Anbetung von uns fremden Götzen verleiten: Schneid und unbedingte Satisfaction sollten die Erlösung von einer ungenügenden Erziehungsmethode bringen. Im K. Z. V. hingegen hatte man sich von vornherein auf einen radikal - deufschstudentischen Zuschnitt eingerichtet, als ausgleichendes Gegengewicht aber besaß man das zionistische Programm. So war man die studentische Abteilung der offiziellen zionistischen Partei und hatte festen Boden, auf dem man ganze Kerle erziehen wollte. Nun sind beide Rieh-