Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 13. Kriegsheft (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 363 allem nachhaltigere Erfolge bringt nur die Propaganda von Person zu Person. Freilich bildet die gelegentliche Unterhaltung mit Fernstehenden hierzu nur einen ungenügenden Anfang. Wer sich nicht die Mühe nimmt, in ständiger Verbindung mit seinen Bekehrungsobjekten zu bleiben und sie von möglichst verschiedenen Ausgängen zum Zionismus hinzuleiten, darf auf Erfolge kaum zählen. So erhebe ich gerade im Interesse einer zionistischen Individualpropaganda die Forderung nach möglichst breiter und intensiver Berührung zwischen Zionisten und nichtzionistischen Juden. Gleich wichtig erscheint mir die ständige Verbindung mit unserer nichtjüdischen Umgebung. Es kann uns nicht gleichgültig sein, welche Vorstellung sich Nichtjuden vom Zionismus — und was mir noch wichtiger erschemt — von den Zionisten machen. Das Interesse, das an einer Bewegung Außenstehende nehmen, und ihr Urteil wird in höherem Maße, als man glauben will, durch das Interesse an ihren Vertretern und das Urteil über sie bestimmt. Der persönliche Eindruck entscheidet auch hier; die Geradheit des Mannes in seinem übrigen Tun und Denken gibt den Maßstab an, der an seinen Zionismus gelegt wird. 9 Besondere Berücksichtigung verdient weiter die ungünstige Beeinflussung, welche die meisten Bundesbrüder in ihrer beruflichen Tätigkeit erfahren müßten, wenn sie der Forderung der zionistischen Gemeinschaft ohne Begrenzung nachleben wollten. Die Ertragsfähigkeit der meisten akademischen Berufe ist in höchstem Maße abhängig von persönlicher Bek mntschaft. Wer hat den Mut, „den Kreis unserer Freunde" als ausreichende Erwerbsquelle zu bezeichnen? Man komme mir hier nicht mit der Forderung, daß der Zionist seinem Ideal auch materielle Opfer zu bringen habe! Unsere Opfer sollen positiv, nicht negativ sein. Nicht im Verzicht auf Erwerbsmöglichkeiten sollen sie bestehen, sondern in der Hingabe des Erworbenen. Davon, was der Zionist der Idee zu Liebe nicht erworben hat, können unsere Institutionen nicht leben. Im Gegen eil sollte gerade zionistische Rücksicht einen jeden zur höchsten Ausnutzung seiner beruflichen Arbeitskraft anhaften, damit er sich eine soziale Position schafft, von der seiner Stimme Gehör geschenkt wird, wenn er sie für sein judentum erhebt. Hieran kann nur vorbeigehen, wer in der ständigen Beschäftigung mit der Bewegung seinen Beruf gefunden hat und frei ist von der Rücksichtnahme aufs tägliche Brot, wie mir überhaupt der zionistische Beruf in manchen Fragen der Quell einseitiger und rücksichtsloser. Beantwortung zu sein scheint — 2um Schluß noch ein paar Worte über die Schattenseiten, die das Gebot der Einkapselung auch für unsere eigene Persönlichkeit zur Folge haben könnte. Ich sehe ab von der Be-